Besondere Tisch–Ereignisse

Coronavirus (11)  Ein Jahr Coronabeiträge
17.03.2021

Coronavirus (11) Ein Jahr Coronabeiträge

 

Auf den Tag vor einem Jahr war "Corona" hier in dieser "Besondere "-Kolumne zum ersten Mal ein Thema. Mehrere Beiträge, Coronavirus 1 - 10, haben die Entwicklung der Pandemie allgemein und mit Blick auf die Auswirkung auf Jonges und unseren Tisch nachvollzogen.

 

Seither hat sich die weltweite Zahl an Infizierten von 190.000 auf 121 Millionen erhöht, die Zahl der Toten von 7.600 auf 2,7 Millionen vervielfacht. In Deutschland von 8.600 Infizierten auf 2,6 Mio., der Toten von 23 auf 74.000. Italien, dessen Bilder von 2.160 Toten uns vor 1 Jahr so alarmiert hatten, zählt aktuell 103.000 Tote. Frankreich 91.000 nach 150 vor 1 Jahr. USA 536.000 Tote nach 75 vor einem Jahr.

Keine Zahlenangaben vor 1 Jahr, nun: Brasilien 282.000 Tote mit täglich rapidem Anstieg, Indien (bestimmt zu niedrig genannte*)) 159.000, Russland (mit auch nicht unbedingt glaubhaft niedrigen) 91.000, Spanien 73.000, United Kingdom 126.000.

Taiwan, vergleichsweise nahe am Ausbruchsort: nun 10, ja zehn Tote nach null!

*) Leider bestätigt sich das schon bald, Indien wird zum Epizentrum der Pandemie, berichtet die Zeitschrift Foreign Policy am 30. April: "The official death toll, which surpassed 208,000 on April 28, is a scandalous undercount. By some estimates, the true figure could be 20 times that number. The country's health care system is on the precipice of total collapse. In New Delhi, patients are suffocating to death, relatives are scrambling for beds, the most advanced hospitals have been reduced to begging the government for emergency supplies of oxygen, and crematoriums - blazing nonstop - have run out of room and wood. Some have buried their dead in their gardens, others have cremated them on makeshift pyres, erected on pavements. In the neglected countryside, a local reporter in southern India informed 'People are dropping like flies.' ", ein Artikel unter der - frei nach Nero - Überschrift "Prime Minister Modi fiddles while India burns" - derselbe Modi, der noch Ende Januar vor dem World Economic Forum prahlte, er, "India's savior", habe mit seiner Covid19-Politik "saved humanity from a big disaster by containing the coronavirus effectively".

 

Informativer als die absoluten Zahlen ist die Darstellung „Infizierte pro 1 Mio. Einwohner“: Hier liegen kleine Länder klar an der Spitze: Andorra mit ca. 77.000 Einwohnern „führt“ mit rechnerisch 146.000 Infizierten pro 1 Million Infizierter, gefolgt von Montenegro (rechnerische 136.000), Gibraltar (rechnerische 127.000) und San Marino (rechnerische 125.000). Weitere Länder mit vergleichsweise geringer Bevölkerungszahl wie Slowenien (96.000 Infizierte pro 1 Million Bewohner), Luxemburg (95.000), Israel (89.000), Bahrain (86.000) liegen in etwa auf gleicher Höhe mit den USA (90.000). Am unteren Ende Taiwan mit 42 Infizierten pro 1 Million Einwohner.

 

In der ersten Phase war Deutschland vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen, fühlten sich die Deutschen mal wieder"dank relativ weniger Infektions- und Sterbefälle vielen anderen Ländern überlegen, vor allem ihren Nachbarn in Europa. Das war voreilig. Deutschland gehört heute zu den zehn Staaten mit den höchsten Gesamtzahlen an Ansteckungen und Todesfällen." (FAZ Nr.57, 09.03.2021, S. 1). Im aufziehenden Wahlkampf dieses Superwahljahres werden Kanzlerin, Ministerpräsidenten, Gesundheitsminister Spahn, die regionalen und kommunalen Kümmerer in unterschiedlicher Intensität (jeden Tag wird ein neues Schuld-'Schwein durchs Dorf gejagt') mehr und mehr zu den Sündenböcken.Es ist wirklich nicht leicht für 'die Politik', und so schreibt dazu Lit deshalb - und weil er offenbar zu viel Zeit hat - 

 

An: F.A.Z. Frühdenker – Der Newsletter für Deutschland:

"Man sagt gern über Frau Merkel, sie denke, ganz wissenschaftlich, die Dinge vom Ende her. Doch scheint das nicht ganz so zu klappen, wenn kurzfristig Emotionen hineinspielen – wie jetzt beim im Nachhinein versehentlichen Feiertagskreieren. Hätte sie doch nur, als dies ihr mit „Fukushima“ ähnlich passierte, nach 1 Tag so wie jetzt reagiert und mit einer Verzeihungsgeste die nicht wirklich vom Ende, ja nicht einmal vom Anfang her gedachte und damit für uns alle so ineffiziente wie teure Energiewende jedenfalls in dieser panikartigen Form vermieden!

Grundsätzlich zur Pandemiepolitik: Es ist schon sehr wohlfeil – J.v.Altenbockum deutete es gestern mit dem letzten Satz seines FAZ-Leitartikels an „…wer die Wunder nicht sieht, die schon geschehen sind“ -, immer im Nachhinein auf ‚die Regierung‘ (selbst wenn man ihr wie die SPD angehört) zu schimpfen, auf alle, die vom Bund bis in die Kommunen mit den widrigen Herausforderungen kämpfen - vergleicht man das mit der Situation vor 1 Jahr, ohne zertifizierte Impfstoffe und ohne eingespielte Verhaltensregeln für eine derartige Situation. Genau genommen hat es keine Regierung in der Welt hinbekommen (können), die gleichzeitig die Bürgerrechte, namentlich den Datenschutz nicht über Gebühr beschädigen wollte. Womit wir beim Kern wären: Wir Bürger als Gesamtheit müssen uns in 1. Linie ‚an die Brust klopfen: 'nostra culpa!': Wer es nicht aushalten kann, sich in seinem täglichen Leben auch mal über längere Phasen im Interesse aller einzuschränken, wer Datenschutz als das höchste Verfassungsgut über den Schutz von Leben, Gesundheit etc. stellt (aber nichts dabei findet, sich gleichzeitig in den social networks ‚bloß‘ zu machen), sollte die Schuld nicht bei anderen suchen. Natürlich ist vieles nicht so gelaufen, wie man es sich in einem für sein Organisationstalent gerühmten Volk gewünscht hätte, hätte man sich mehr privat(wirtschaftlich)-routinierte statt bürokratischer Abwicklung vorstellen können (der begleitend beobachtete Impfablauf > 80 im Düsseldorfer Stadion vor wenigen Tagen hätte nicht besser organisiert sein können), doch nur, wer’s besser machte (nicht: zu können behauptete), werfe den ersten Stein.

Fatal nur, dass all dies vor einer Bundestagswahl passiert, der nun ein stark emotional beeinflußter Ausgang droht (undifferenziertes „die können’s nicht!“, doch bitte „Malle für alle!“) – ob die verbotsaffinen Grünen, die bislang stimmenmäßig profitieren, es besser könnten, darf man getrost bezweifeln, sonst stünde Kretschmanns Baden-Württemberg wie ein Leuchtturm zwischen Windlichtern da. Nein, keiner kann es wirklich besser, weil es – die rasche Dominanz der englischen Mutante zeigt es – in erheblichem Maße unberechenbar zugeht. Schon die nächste stark virulente Mutante könnte auch dort Fortschritte rasch zunichte machen, wo derzeit die Eindämmung gelungen scheint (Taiwan, Südkorea). Erste Zweifel an der Schutznachhaltigkeit bei auch 2 x geimpften Älteren deuten an, dass ‚es‘ wiederkommen kann. Die Wellenverläufe der diesem Virus ähnlichen Russischen Grippe vor 150, der Spanischen Grippe vor 100 Jahren mögen ein Indiz sein.

 Uwe Stiebale, Düsseldorf "

 

Asien (Fernost) - ob kommunistisches China, strenges Singapur, Demokratien wie Südkorea und Taiwan - ist bislang ("bislang" muss man bei diesem Virus stets einschränkend hinzufügen) insgesamt deutlich besser durch die Krise gekommen. Dort hat man, Datenschutz hintanstellend, vor allem auf den Einsatz von Big Data gesetzt, digitale Techniken, um Kontakte präzise nachzuverfolgen, die Einhaltung von Quarantäne konsequent durchzusetzen.

"Das Ergebnis ist bitter", schreibt die FAZ (a.a.O.), "in Asien, wo die Modernität angebetet wird wie in Deutschland einst in der Gründerzeit, konnten nicht alle, aber viele Menschen in den vergangenen Monaten ein unbeschwerteres Leben führen als wir. Europa, das schon lange mit dem technischen Fortschritt hadert, blieb nur die mittelalterliche Methode des Lockdown und das Warten auf Impfungen."

"Vielleicht", schreibt die FAZ weiter, "werden die Historiker einmal schreiben, dass die Corona-Pandemie der Beginn des asiatischen Zeitalters war."  Vergleiche dazu unten 24.10.2019 mit Anmerkungen zu Asiens neuer Rolle. Will sagen: Das asiatische Zeitalter hat schon begonnen - der Umgang mit der Pandemie mag ein erstes weltweit sichtbares Zeichen dafür sein.

 

Die entsprechenden Geldhilfen, zugesagte wie schon ausgezahlte, in Deutschland haben die Billionen-Euro-Grenze überschritten, auch die EU bewegt ähnliche Größenordnungen. Schon werden, teils berechtigt, erste Zweifel laut: Haben wir mit den Großunternehmen die Falschen unterstützt? Haben wir zu wenig unterschieden, wer vor Corona erfolgreich dastand und wer schon vorher schwächelte? Wer sich, selbstüberschätzend, Reserven verzehrend auf Deubel komm raus zum Weltbranchenführer machte (Beispiel TUI - schon vergessen, dass der vorherige langjährige Vorstandsvorsitzende Frenzel jahrelang als größter Wertvernichter unter den DAX30-Unternehmen 'gefeiert' wurde) oder wer, kleinere Brötchen backend, seine Kapitalreserven für schlechte Zeiten schonte? Nicht nur, aber namentlich bei der SPD und mit dem begonnenen Bundeswahlkampf hat man den Eindruck, wir hätten ein unerschöpfliches Füllhorn zur Verfügung: Hier noch ein paar Milliardchen dazu und dort auch - und dazu vorher schon viele teure soziale 'Wohltaten', die durchaus hätten warten können und nun dem Etat richtig weh tun werden.

 

 

Um auch mal was zum Wohlfühlen zu vermelden: Am 08.01.2021 'knackt' der DAX-Schlußkurs erstmals in seiner Geschichte die Grenze von 14.000 Punkten . Und in der Vor-Osterwoche am 1. April (kein Aprilscherz!!) erreicht er die nächste Allzeit-Rekordmarke von 15.100 Punkten, weiter steigend.

Unser Vize-Baas Klaus schreibt dazu im Hinkel&Cie.-Newsletter April 2021unter der Überschrift "DAX: Unglaubliche Zahlen" einen Rückblick und ein Fazit:     

"Rückblick  In der letzten Woche sind Daten zur Entwicklung der Industrie in Deutschland und Europa reingekommen, die so gut ausgefallen sind, dass man zweimal hingucken musste. Der Politik wird ja gerade hierzulande gern vorgeworfen, dass sie den Unternehmenssektor in der Pandemie zu stark schont. In der Tat sind die Einschränkungen für private Aktivitäten drastischer, aber das entbehrt auch nicht einer gewissen Logik. Denn auf Freizeitkontakte und private Veranstaltungen lässt es sich nun einmal besser verzichten als auf den Job – und der hängt ja in vielen Fällen direkt von der Gesundheit der Wirtschaft ab. Beim Einkaufsmanagerindex muss man sich erst einmal die Augen reiben: Der wichtige Frühindikator für die deutsche Industrie hat im März einen Sprung um 5,9 Punkte (!) gemacht und mit 66,6 Punkten ein neues Allzeithoch (!!) markiert.

Fazit    Die März-Daten der Industrie-Einkaufsmanager-Indizes sind in Deutschland und Europa unglaublich gut ausgefallen. Die aktuelle Börsen-Hausse als Blase abzutun, ist daher verfehlt. Gerade im DAX mit seinem relativ hohen Industrieanteil sollten viele Unternehmen von der deutlichen Verbesserung der Rahmenbedingungen stark profitieren. Die Kehrseite der Medaille: Lieferverzögerungen haben für den stärksten Anstieg der Einkaufspreise in der Eurozone seit zehn Jahren gesorgt. Die Inflationsgefahren werden daher ein Thema*) bleiben, das auch für größere Rückschläge sorgen kann, wenn die Anleger zu bullish werden. Das gilt es im Blick zu behalten."

 *) vgl. hierzu die Gedanken zur "Inflation" in unserem 1. Digitalen Meeting 15.12.2020

                             

 Fortsetzung 09.04.2021

 

 

 

 

 


                                                                                  

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