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Lektüretips
15.07.2017

Lektüretips

zum Sommer: Reisen, Urlaub, Muße, Lesefreuden – Ex libris literati ein paar Lektüretips für die Urlaubszeit

Liebe Heimatfreunde,

für diejenigen, die gerade Urlaub machen oder dies vor sich haben oder auch sonst ein paar mit Lektüre füllbare Mußetage vor sich sehen (und Anregung nicht als Anmaßung empfinden!):

Michelle Cohen CorasantiDer Junge, der vom Frieden träumte“, Fischer Verlag, 2016, ein nach meinem Verständnis ganz fein geschriebenes Buch über die auf’s Persönliche heruntergebrochenen Hintergründe des nun bald 70-jährigen Ringens zwischen dem Staat Israel und den Palästinensern..

Wem der Sinn, wenn denn bei diesem Thema überhaupt, mehr nach hard facts und Wissenschaftlichkeit steht, greife zuThe Ethnic Cleansing of Palestine“ des israelischen Historikers Ilan Pappe. Dies ist allerdings keine leichte Strandkost, im Gegenteil.

Wer ganz viel Muße hat, hier die ideale Urlaubslektüre (ideal, weil man sonst so viel Zeit gar nicht aufbringen kann, wie man hierfür braucht: 1.357 Seiten!): Vikram ChandraDer Pate von Bombay“ (und wer schon mal dort war, spürt ungemein viel Lokalkolorit).

Zeitlich viel weiter zurück angesiedelt, die nach meinem Geschmack lesenswerte Rom-Cicero-Trilogie

von Robert Harris („Imperium“/“Titan“/„Dictator“, englisches Original „Imperium“/„Lustrum“/„Dictator“) – das geht auch wieder am Strand.

Hierzu passt thematisch, wenn auch deutlich mehr als – gut lesbares - Fachbuch geschrieben, Tom Holland „Rubicon - The Triumph and Tragedy of the Roman Republic“. Und vom selben Autor, umfassender und entschieden trockener, weil wissenschaftlich angelegt, die dickbändige Gesamtschau der im weiteren Sinn ostmittelmeerischen Großreiche (persische Antike bis zum Islamischen Reich) und wie das alles ineinander greift und zusammenhängt:In the Shadow of the Sword – the Battle for  Global Empire and the End of the Ancient World” – "unputdownable", beschreibt es The Times mit einem Wort.      

Und noch ganz etwas anderes, im Sinne des (anspruchslosen) Thrillers bei gechilltem Rosè im Strandstuhl: Wer gern Dan Brown liest (etwa den ähnlich implausiblen „Da Vinci Code“) könnte sich zum Abgewöhnen an Matthew ReillyThe Seven Ancient Wonders“ (gelegentlich auch als „The Seven Deadly Wonders“, deutsch „Das Tartarus-Orakel“) versuchen (hier erscheint die Katholische Kirche als Fortsetzung des altägyptischen Ra-Sonnen-Kults). Empfehlen möchte ich diese Lektüre nur dem, der Spaß hat an völlig überdrehten Implausibilitäten -  und man lernt nebenbei ein wenig über die Sieben antiken Weltwunder. Die plots sind so absurd überzogen, dass man fast geneigt sein könnte, darin eine Parodie auf das ‚Katholische-Kirche-Mysterium-Genre’ zu sehen. Das dürfte aber nicht des Autors Intention gewesen sein, dazu fehlt es an der Leichtigkeit des parodierenden Erzählens des Schweden Jonas JonassonThe 100 Year old Man who climbed out [of] the Window and disappeared“..

Euch allen, mit oder ohne (diese) Bücher eine schöne Sommerzeit daheim und unterwegs, ad arbores autumnales, bei Meuser oder so… Euer literatus

Aber es geht auch so, wie ein leidgeplagter ehem. beruflicher Vielleser kommentiert: Sehr geehrter Herr Tisch-Literat, lieber Uwe, Deine Literatur-Empfehlungen für den begonnenen Sommer sind ja höchst eindrucksvoll, und zwar sowohl hinsichtlich der Themen als auch der Vielzahl. Ich bin ja so froh, dass ich keinen Strand-Urlaub machen werde, weil ich dann ein schlechtes Gewissen haben würde, von den vielen Empfehlungen allenfalls einen Bruchteil zu lesen bzw. gelesen zu haben.“                                                Wie stets gilt auch hier: Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall

 

                                                                                                                                                    

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