Besondere Tisch–Ereignisse

Gender*chen und Vorständin - im TOR
30.08.2019

Gender*chen und Vorständin - im TOR

"Sprachen wandeln sich immer – aber nie in Richtung Unfug!“

Wirklich nicht?

Zwei kleine Beispiele zum Gegenteil gefällig, auch wenn sie nicht wirklich Sprachwandel, sondern nur unreflektiertes Mitlaufen im vermeintlich politisch-korrekten Gendersprech-Stream darstellen?:

 TOR 10 2019, S. 27: in "Sorgen um..." heißt es 

"Fragen, die sich jedem Bürger*innen stellen, deauch... nachdenkt" - man mag's nicht glauben! So verhunzt dieser unreflektierte Gebrauch einer Gender-Formel das Gefühl für die korrekte Sprache. Merkt der Schreiber*/in das denn nicht selbst? Und "nachdenkt" ist ein guter Hinweis: Leute, denkt nach, bevor ihr solchen Quark verzapft! Wenn Stadt-und Universitätsverwaltungen aufgrund törichter Vorgaben so schreiben müssen, ist es erstmal nicht zu ändern, aber im vereinseigenen Heft gelten solche Vorschriften doch nicht.

Und TOR 08- und TOR 09-2019 "Auf ein Wort Leeve Jonges": Vorständin“ soll's nun heißen (obwohl  wir doch ?noch? keine Frauen im Verein oder gar im Vorstand desselben haben) - wo das hinführt, zeigt diese leichte /in-Umschreibung des Auszugs aus dem Protokoll einer Vorstandssitzung: " Vorständins-/Vorstandssitzung vom …: Am Rande des gemeinsamen Mittagessens der Vorstände/-innen im Vorständins-/Vorstandskasino bittet die/der Vorständins-/Vorstandsvorsitzende seine Vorständins-/Vorstandskollegen/-innen, sich in Vorbereitung des TO-Punktes „Vorständins-/Vorstandsangelegenheiten“ der nächsten Aufsichtsrätins-/ratssitzung auf ihre jeweiligen individuellen Vorständins-/Vorstandsaspekte gründlich vorzubereiten ..."  Eleganter Sprachductus, oder?

 

Bitte was, fragt der geneigte Tischfreundleser, qualifiziert diesen Sprachvorfall zur Aufnahme hier in  Besondere Tisch-Ereignisse? Eigentlich nichts, wären da nicht die Autoren dieser klammheimlichen Gendersprechverschiebung im Jonges-Universum, nämlich unsere Tischfreunde Baas Rolly zum Gender*chen (Auf ein Wort 08-2019, "Sorgen um..." 10-2019) und Vizebaas Sebastian zur Vorständin (Auf ein Wort 09-2019).

Principiis obstate, wehret den Anfängen!“ Wer möchte schon eines nicht so fernen Tages auf die Grölemeiersche Frage „Wann ist ein Jong ein Jooooong?“ nur ein tristes „vae victis hominibus adulescentibus“ grummeln? Auch möchten wir nicht, dass sich Rolly noch einmal mit der ebenso genderkorrekten wie unaussprechbaren Aussprache eines Schriftungeheurs wie "Landtagsabgeordnete*/_LandtagsabgeordneterInnen" blami, äh, herumschlagen muss (s. Besonderes Ereignis 08.01.2019)  

Sollte das immer noch nicht reichen, hilft ja vielleicht dieser länger zurückliegende, in Lits grausender Erinnerung haftende Eintrag in einem Gemeindeblatt einer recht feministisch geprägten Kirchengemeinde zu der Einsicht, dass sprachlich genus und sexus wirklich nichts miteinander zu tun haben: „Freudig trugen die Kirchenvorständinnen die Täuflingin zum Taufbecken, ganz behutsam auf ihren zarten Händinnen zu ihrer Gott.“

Sollte das alles nicht helfen, muss eben JWvG ran, der uns schließlich in einer umfangreichen II-teiligen Tragödie ganz an deren Ende genial-knapp den Unterschied zwischen grammatischem genus und personenbezogenem sexus erarbeitet hat: "Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan", und nicht "Die Ewig-Weibliche"!

 

Wie immer mit Zuversicht auf Einsicht hoffend - auch auf die Einsicht, dass das unserem Männerverein unverändert und weiterhin gelegentlich angeklebte Etikett der Misogynie nicht auf diese gendernde Weise entfernt werden kann. Jedenfalls so lange, wie wir keine Bääsin haben ...

Lit

 

 

 

Non solo linguae, sed tempora mutantur et nos in ipsis:

                          

An einem lauen Sommerabend im Biergarten des Oberkasseler Bahnhofs

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