Besondere Tisch–Ereignisse

Coronavirus 2.0 - "Social Distancing"
25.04.2020

Coronavirus 2.0 - "Social Distancing"

Der Corona-Beitrag vom 17.03.2020 zeigte die Auswirkungen der aufziehenden Krise auf Jonges-Verein und unseren Tisch. Hier wollen wir ganz allgemein dem Gang dieser Krise folgen, dem "schlimmsten Ereignis seit Ende des 2. Weltkriegs" (Merkel), von der bereits auch als "Krieg" und einer Angelegenheit "von Leben und Tod"(NRW-MP Laschet) gesprochen wird, verständlich angesichts der Zahl der Toten etwa in China, Italien und Spanien, den USA, aber auch, bislang zum Glück eingeschränkt, bei uns; von den erwartbaren, von den Herrschenden jedoch nach unten zensierten Zahlen in der Dritten Welt nicht zu sprechen. 

Das Corona-Virus alias Sars-CoV-2 alias Covid-19:

                               

"Wenn ein Virus auf ein unvorbereitetes „naives“ Immunsystem trifft, rennt es offene Türen ein. So ziemlich jeder, der Kontakt mit dem Virus hat, wird sich anstecken, zumindest solange die Viruskonzentration im Übertragungsmedium ausreichend hoch ist." (Dr. M.Ortmann, s.u.)

Irgendwann im Januar 2020 taucht es auf in unseren Medien, das Corona-Virus, von weit her aus China (in der Stadt Wuhan - wo is dat dan?) - ein wohl auf einem Lebend-Tier-Markt vom Tier auf den Menschen als Wirt gewechseltes Virus, erlebte Evolution der Natur eben - wenn man nicht gerade den offenbar unvermeidlichen Verschwörungstheorien aus unterschiedlichsten Quellen anhängen will. Ein, so schien es, grippeähnliches Virus mit Befall der Lunge, derzeit noch nicht behandelbar, nicht vorbeugbar durch Impfung und 'dank' millionenfacher Flugreisetätigkeit mit schnell grassierender globaler Ausbreitung.

Länder mit starker Tourismusabhängigkeit wie Ägypten leugnen das Vorhandensein erst einmal, mit fatalen Folgen, und, eigentlich noch fataler,  Länder mit Präsidenten 'Großego>Verstand' machen sich zunächst eher lustig über den "China virus"(Trump, der am 22. Jan. auf die Reporterfrage "Are there worries about a pandemic?" antwortet: "No, not at all. And we have it totally under control. It's one person coming in from China, and we have it under control. It's - going to be fine.", um dann nur 7 Tage später am 29. März zu sagen: "Wenn es gelingt, die Todeszahlen durch Eindämmungsmaßnahmen auf 100.000.bis 200.000 zu begrenzen, dann haben wir alle zusammen einen guten Job gemacht, gespiegelt an den  2,2 Millionen Toten, die es ohne Maßnahmen gegeben hätte.") 

Wir hingegen rekapitulieren lieber Schulmathematik, erschreckt hingewiesen auf den exponentiellen Anstieg der Verbreitung:

Dr. Magdalene Ortmann, Medizinstatistikerin sowie ehemalige Wissenschaftlerin: "Im Falle von Corona haben wir ein ziemlich verbreitungsfreudiges Virus. Jeder Erkrankte steckt im Schnitt zwischen 2,4 und 3,3 Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn an (Robert-Koch-Institut). Das wiederum heißt, dass aus dem ersten Patienten im Schnitt 3 neue resultieren, die wiederum 9 weitere infizieren, aus denen dann 27 neue Fälle entstehen. Schon in der 3. Ansteckungsrunde erreichen wir also in Summe 40 Erkrankte. Führen wir das ein bisschen weiter, sind wir schnell bei Hunderten und schließlich Tausenden von Infizierten. Das ist die sogenannte exponentielle Funktion, von der alle sprechen. In der folgenden Grafik werden verschiedene Ansteckungsraten (R0) angenommen, um zu zeigen, wie unterschiedlich so ein exponentielles Wachstum aussehen kann:

 

Vergleich 3er verschiedener exponentieller Wachstumskurven des Coronavirus.

Grün zeigt die Neuansteckung von 2 Patienten durch einen aktuell Erkrankten, rot von 2,2 und blau von 2,4. Schon hier ist deutlich zu sehen, dass bereits eine kleine Steigerung der Ansteckungsrate eine massive Steigerung der Fallzahlen im späteren Verlauf zur Folge hat."

Die Welt ist zwar, sagt man, klein geworden, aber was uns dann per TV an Bildern erreicht (Absperrung einer Millionenstadt und komplette Isolation ihrer Bevölkerung, einer ganzen Provinz usw.), kann ja nur in einer Diktatur passieren, aber bei uns doch nicht. (So glaubten wir durchgängig) 

Und lebt das Virus nach Tröpfchen-Ausscheidung denn nicht nur ein paar Stunden - wie soll es da uns erreichen?  (Glaubte so mancher)

Bis in Bayern der erste Fall auftritt, bis in Heinsberg eine Karnevalveranstaltung zum Infektionsherd wird, bis, unbemerkt, dann auch der uneingeschränkt gefeierte rheinische Kaneval das Virus x-fach herumsprüht, bis die vor Karneval zum Skilaufen nach Südtirol und Österreich Geflüchteten in großer Zahl von dort die Ansteckung mitbringen (Ischgl ein Hotspot, von 1 Barmann ausgelöst).

Am 17.03.2020 zeigen die Überschriften in FAZ "Öffentliches Leben weiter eingeschränkt" und Rheinische Post "Das öffentliche Leben wird lahmgelegt", mit welcher Dynamik sich unser tägliches Leben verändert, eingeschränkt wird.

Problematisch scheint das Virus besonders für die sog. Risikogruppe, für die vom Virus bzw. vom Krankheitsverlauf besonders Gefährdeten, die älteren Jahrgänge > 65, besonders wenn sie Männer sind und gesundheitlich vorgeschädigt.

Es scheint allerorten,

parallel zu

den häßlichen Szenen des Hortens mit der Folge leer gefegter Regalreihen in den Kaufläden insbesondere bei Desinfizierungsmitteln, Konserven, Haushalts- und vor allem Toilettenpapier (in der kurzen Phase bisher wurde das 7-fache des in vergleichbarer Zeit üblichen Kaufs an Toilettenpapier gehamstert - "die Franzosen hamstern in der Krise Rotwein, die Briten Scotch und die Deutschen - Klopapier", faßt jemand zusammen)

 

eine Welle der Solidarität in Gang zu kommen.

Der Anschein, dass sich gesellschaftliches Zusammenleben über die egoistisch-hedonistische Ausprägung der jüngeren Vergangenheit erheben könnte, macht Mut in dieser Phase, die für sehr viele bereits von großer existentieller Angst geprägt ist. Primär natürlich die Angst um die Gesundheit angesichts einer einstweilen nicht behandelbaren Grippeart mit hoher Infektionskraft der Lungen, vergleichsweise langer = unentdeckter Inkubationszeit, vielen Todesfällen. Aber nun auch die Angst um die persönliche Zukunft angesichts einer durch die Epidemie - zwischenzeitlich zur Pandemie hochgestuft -  gefährdeten globalen wie lokalen Wirtschaft, wo die Auswirkungen in Form einer möglicherweise großen Zahl von Insolvenzen insbesondere im zu Recht stolzen Mittelstand, im heterogenen Feld der Selbständigen, bei Gastronomen, Hoteliers usw. sich gerade erst abzuzeichnen beginnen. Folgend die Angst um die Arbeitsstellen.

Bundes-und Landesregierungen haben massive Unterstützungsprogramme auf den Weg gebracht, auch EZB und EU präsentieren gewaltige Finanzhilfemaßnahmen, aber die existentielle Angst geht um, klar.

Wenn diese Krise hoffentlich bald und einigermaßen endgültig hinter uns liegt, werden sicher viele Fragen zu stellen sein, in der Politik, der Wirtschaft, dem Gemeinwesen, dort insbesondere im Gesundheitssektor. Und vielleicht dann auch an dieser Stelle: Welche Schlußfolgerungen ziehen wir aus dieser uns allen in dieser Art, diesem Umfang, dieser Intensität und Schnelligkeit neuen Situation?

Wird es ein 'back to usual' geben oder finden wir neue Ansätze etwa einer international funktionierenden Politik, einer auch wieder stärker auf Standortrisiken und Standortdiversifizierung achtenden Wirtschaft, des kritischen Überdenkens des - wie sich nun gezeigt hat - zu arg auf Kante genähten 'global sourcing' 'just in time'? Keinesfalls aber sollte dies in einer so exportorientierten Volkswirtschaft wie unserer dazu (ver)führen, alles auf heimische Produktion zurückzufahren, Importe kräftig zu reduzieren. Vielmehr geht es um mehr (welt)regionale Redundanz, parallele Beschaffungsstrukturen auch zum Schutz der Lieferketten vor Unvorhergesehenem: "Es ist ökonomisch wenig sinnvoll, zwei Nieren zu haben. Wenn aber eine ausfällt, weiß man sie zu schätzen."(Nassim Nich. Taleb in "Der schwarze Schwan"). 

Neue Ansätze auch in der Finanzwelt, die trotz aller Beteuerungen nach der Finanzkrise vor gerade mal 10 Jahren zu einigen wieder akuten Themen wenig gelernt zu haben scheint? Gelernt aus bei einer Krise verhängnisvollen Abläufen wie Millisekundentrading, wie robotergesteuerten Abläufen beim Verkauf von Wertpapieren (durchbrochene Barrieren führen sozusagen automatisch, robotermäßig zum nächsten schnellen Durchbruch nach unten), wie abwärtstrendverstärkenden Leerverkäufen von Aktien.

Und wenig gelernt allgemein aus dem aus den USA in die westliche Wirtschaftswelt geschwappten Trend der Verschwendung von Unternehmensliquidität zum umfangreichen Rückkauf eigener Aktien ("Kurspflege", letztlich zur Steigerung von Managerboni) statt Investitionen in R&D Forschung&Entwicklung, neue Produkte, neue Märkte und, wie altmodisch, auch Risikovorsorge aus langfristigem statt quartalsweisem Denken. Das vor Jahren zugunsten amerikanischer einseitiger shareholder-value-Denke abgelöste alte Gläubigerschutzprinzip des HGB als Richtschnur soliden kaufmännischen Handelns war so schlecht nicht. Nicht nur für ein paar Monate durchfinanziert zu sein, könnte den reflexhaften Ruf nach dem Staat um einiges hinauszögern. Eine gute bilanzielle Vorsorge dafür, verbindlich jährlich zu dotieren und im Prinzip  den Pensionsrückstellungen ähnlich, könnte etwa eine Erweiterung der Kategorie Rückstellung für Drohverluste um solche sein, die wir heute nicht kennen, aber, wie jetzt, von einem Tag auf den anderen wirksam werden; das ginge kurzfristig zulasten von Gewinn und Steuern, könnte aber im Fall der Fälle den Staat, also uns, entlasten.       

"Home Office", im Moment die Maßnahme, um die Büromenschheit zu distanzieren, auf Sicht vielleicht eine echte Option neuer Arbeitsgestaltung? Aber Vorsicht, das will in seinen Nebenwirkungen erst einmal gut untersucht sein.

Und, horribile dictu, müssen wir nicht auch der Frage nachgehen, wie sich doppelte Berufstätigkeit in Familien in dieses Bild fügt, wenn das gesundheitlich gebotene Schließen von Schulen und Kinderhorten zum volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problem wird? Wenn Gesundheitssektor, Polizei, Feuerwehr... durch Elternpflichten der Akteure an Einsatzgrenzen stoßen?

Schaffen wir es, wieder wegzukommen vom Einfluß intellektuell eher unterbelichteter Machtmenschen mit übergroßem Ego auf weite Wählerschichten, die ihnen allzu leicht/gern 'auf den Leim gehen'? Die in einer solchen Situation nur an ihre persönlichen Karrieren denken (Trumps Wiederwahlfixierung, Putins 'Präsident für immer', Netanjahus Angst vor dem Gefängnis, Bolsanaro, Erdogan undundund). Die nicht einmal sinnlose Kriege wie die in Syrien und im Jemen, verbunden nun zusätzlich mit gewaltigen Risiken für Millionen Flüchtlinge auch durch Corona, beenden wollen.  

Und Und Und.

 

Was so fern schien und anfangs oft auch eher belächelt wurde ("Panikmache!"), hat uns nun fest im Griff. Pandemie: Hamsterkäufe, Diebstahl von Desinfektionsflaschen, Mundmasken aus Krankenhäusern. Exponentiell ansteigende Erkrankungszahlen, Tote. Eine mit Mundmasken (anfangs hieß es aus berufenen Mündern: "brauchen wir in Deutschland nicht wirklich, helfen nicht") und sonstigem Schutz gerade auch in Kliniken und Praxen unzureichend ausgestattete Republik. Beginnende Einschränkungen, Rationierung des Verkaufs von ausgerechnet Toilettenpapier. Die erste Ansprache unserer plötzlich aus der Versenkung aufgetauchten Kanzlerin außerhalb ihrer Neujahrsansprachen: "Es ist ernst. Und nehmen Sie es ernst!". Drohende Ausgangssperren. Und ein Teil der Jugend und der noch nicht so Alten nimmt's anfangs nicht ernst, eher leicht, macht Corona-Party. Aber Bayern-Söders Alleingang  am 20. März mit noch nicht Ausgangssperre, aber fast heranreichenden "verschärften Ausgangsbeschränkungen" kommt als Weckruf an: Am 21. und 22. März ist das hiesige Rheinufer party-, sport- und gruppenbildungsfrei, selbst auf der berüchtigten Treppe am Schloßturm hält man sich an Vereinzelung und Abstand. Die Altstadt ist gespenstisch leer, siehe und höre auch das uns von Tischfreund Klaus H. am 28.03. per WhatsApp zugedachte Video "Et Virus Leed... Quarantäne in de aalde  Stadt" von D. Schlösser, https://youtu.be/ZZOGDbgFvtY. Und die "Kö" ist kunden-, also sinnentleert, man könnte - aber wozu? - in Längsrichtung parken und dabei noch reichlich Autoabstand einhalten.

Am 22. März beschließen die wieder Führung übernehmende Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder: Ab Montag , 23.03.,  gilt mit leichten Abstrichen "Bayern", gelten die weitgehenden Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für die ganze Republik. 9 strafbewehrte Regeln umfaßt der Bund-Länder-Beschluß, vor allem ein für die Republik flächendeckend mindestens 14 Tage geltendes Verbot von Ansammlungen von mehr als 2 Personen. Die in den in Europa derzeit am stärksten betroffenen Ländern Italien und Spanien verhängte Ausgangssperre bleibt bei uns - noch - in der Schublade.   

Man kann die Lage aber auch so sehen wie in einem Leserbrief zweier Abiturienten in der FAZ am 19. März: "... Im Umgang mit der Coronakrise zwingt und verurteilt  der Staat die Menschen ... aus Solidarität den Alten und Schwachen gegenüber zur kollektiven Aufgabe aller Freiheiten...". Und gleich darunter haut eine 75-Jährige in eben diese Kerbe, nur drastischer: "... Wie kann man eine Welt lahm legen nur für einige tausend alte Menschen!... Warum kann man die ältere Generation nicht einfach in Quarantäne versetzen,  so dass die übrige Bevölkerung den Alltag und die Freiheit erhält?" OK, diskutierbar, warum eigentlich nicht - wenn es denn hülfe. Aber es ist wohl doch etwas sehr verkürzt gedacht. Denn auch die "übrige Bevölkerung" ist zunehmend betroffen, das Virus beschränkt sich nicht auf die über 65-Jährigen mit Vorerkrankungen und bewahrt nicht für die übrigen Alterskohorten "den Alltag und die Freiheit". Einmal alle 'durchseuchen', wie ein anderer Vorschlag auf ähnlicher, radikalerer Linie lautet, die Asiatische Grippe 1957/8 vor Augen, da kann alles weiterlaufen (und unausgesprochen: am Ende sind die nicht mehr dabei, die man ohnehin in einer Welt der Jungen und Starken nicht braucht -  ist doch auch gut fürs Rentenproblem.) Wenn nur die Ethik nicht wäre...

Der Verweis auf die Asiatische Grippe 1957/8 mit (bislang) damals deutlich mehr Toten in Deutschland, aber ohne Unterbrechung des täglichen Lebens will (abgesehen, dass sich kaum einer daran erinnert) nicht verfangen. Im Gegenteil, diesmal ächzt und stöhnt 'die Wirtschaft', schauen Menschen in Abgründe, (zu?) intensiv medienverstärkt. Gewaltige finanzielle Hilfsprogramme werden angeschoben, auf Landes-, Bundes-, EU-Ebene; die haushälterische Frage nach dem Wie der Finanzierung gilt als erbsenzählerisch, muss nach dem Willen der Politik zurücktreten. Die "schwarze Null" nebst 'Schuldenbremse' für Bundes- und Länderhaushalte gilt von jetzt auf gleich nicht mehr, die EU-Vorschriften zur Haushaltsdisziplin werden ausgesetzt. Und die Börsenkurse sind noch nie so rasant in so kurzer Zeit abgestürzt, der DAX 40 % in 4 Wochen bis ca. 8.400. "Wenn die Kurse, wie jetzt, auf die Unternehmensbuchwerte, die Substanzwerte sinken, geht es wieder aufwärts mit den Kursen" trösten sich und uns die Banker mit dieser Erfahrung aus den letzten 15 Jahren - zumindest am 20.03. hat es kurz funktioniert, mais on verra: voraussichtlich eine aufregende Achterbahn der Anlegeremotionen und damit der Kurse. Und als hätte er zugehört, der DAX, ging er am Tag nach dieser Zeile als Tagesschlußkurs auf etwas über 10.000, tags darauf zurück auf auf 9.500, kletterte im weiteren Verlauf bis nahe an 11.000 und auch wieder ein Stück zurück - immerhin. (Die irre Liquidität, die in die Märkte schwemmt, will angelegt sein, soll verdienen, nicht beim Anleger Negativzinsen produzieren. Zeigt der 15.07.2020: Dax kratzt an 13.000!) )  

 

Der Papst hilft am 27. März mit einem Segen "urbi et orbi", den es eigentlich  nur zu Weihnachten und Ostern gibt. Und zu Ostern hält er die traditionelle Messe im Petersdom mutterseelenallein, für ein Bildschirmauditorium.

 

Entgegen allen Trump-Voraussagen wird New York zu einem Corona-Epizentrum, von dort ausgehend übernehmen die USA am 27. März die Spitze der Welttabelle der Erkrankungen und Todesfälle - so hatte 'the Donald' "America first!" eigentlich nicht gemeint! Kein Wunder, dass er einen Monat später die Frage in den Raum stellt, ob man den Erkrankten herkömmliches Desinfektionsmittel injizieren könne!! (Manch ein Trump-Follower nahm es daraufhin zu sich - aber daran war der most wonderful GröPaZ nicht schuld, natürlich nicht.)

Chinas Xi bietet US-Trump telefonisch massive Hilfe bei der Bewältigung der Coronakrise an, welch' Ironie! Der schwankt zwischen Beschimpfungen ("China virus"), Lobestönen (China did a great job, wonderful), Verdächtigungen (das Virus floh aus einem Hochsicherheitslabor in Wuhan, das doch nicht so sicher war, auf den nahe gelegenen Wochenmarkt - Näheres darf der Präsident nicht sagen) bis zu Schadensersatzforderungen in Richtung China.

 Beim Stöbern zum Thema im Internet löst das Stichwort "Asiatische Grippe" ein "da war doch was" aus: 1957/58, Lit knapp 15-jähriger Schüler, ja, der Begriff ist geläufig, aber ohne Erinnerung an etwas Außergewöhnliches, halt 'nur' ein besonders intensives Grippegeschehen, Lit selbst wie in jenen Jahren jedes Jahr grippekrank. Nachgeschaut in der "Chronik der Deutschen": Keine Erwähnung, obwohl der swr2 festhielt: "In den Jahren 1957 und 1958 sterben weltweit mehr als eine Million Menschen an der damals grassierenden Asiatischen Grippe. Es ist die zweitschlimmste Influenza-Pandemie des 20. Jahrhunderts, übertroffen nur durch die Spanische Grippe 1918 bis 1920. Die Asiatische Grippe hatte ihren Ursprung in China und erreicht im Frühsommer 1957 Deutschland. Im Juni warnen Behörden (im Gespräch mit Radio Bremen) noch vor "Dramatisierung". Vier Monate später sieht die Situation schon ganz anders aus. Insgesamt fallen in Deutschland der Asiatischen Grippe rund 30.000 Menschen zum Opfer." Trotz dieser schweren Pandemie findet sich im Internet kaum etwas aus den Archiven, Ausnahme s.o. Südwestrundfunk zur Asiatischen Grippe, ein einziger Bericht aus dieser Zeit, gesendet am 16. Oktober 1957. Es geht, auch damals, um die Folgen für die Wirtschaft und das öffentliche Leben – und natürlich auch um Vorbeugemaßnahmen. Händewaschen wird dabei noch nicht genannt, dafür das Gurgeln mit Wasserstoffsuperoxid sowie das Einnehmen formalinhaltiger Tabletten, das Meiden von Menschenansammlungen und von hustenden Menschen sowie ultraviolette Bestrahlung. (Quelle SWR2 Archivradio, 20.03.2020) In dem dort hörbaren Radiobeitrag von 1957 heißt es u.a., dass sich die Grippe durch trockenen Husten, Kratzen im Hals und meist leichtes Fieber zeige, in schwereren Fällen die Lunge angreife, was zu den vielen Todesfällen geführt habe. 10 % + der Belegschaften fielen aus, im produzierenden Bereich sogar ein Krankenstand von 25 - 30 % mit der Folge von 1/3 geringerem Produktionsausstoß und entsprechendem Umsatzschwund, Schließung von Schulklassen - und nicht etwa der Schulen -, wenn 50 % der Schüler erkrankt waren. Ältere Menschen waren weniger betroffen, hauptsächlich Schüler und Kindergartenkinder.  

Auch Wikipedia ist eher wortkarg: "Die Asiatische Grippe war nach der Spanischen Grippe die zweitschlimmste Influenza-Pandemie des 20. Jahrhunderts. Sie wurde durch das Influenzavirus A/Singapore/1/57 (H2N2) ausgelöst. Die Asiatische Grippe brach 1957 aus und hatte ihren Ursprung vermutlich in der Volksrepubik China. Ihr fielen 1957 und 1958 weltweit Schätzungen zufolge eine bis zwei Millionen Menschen zum Opfer. In Deutschland starben an der Asiatischen Grippe rund 30.000 Menschen. Die Asiatische Grippe wurde von einem Virus-Subtyp ausgelöst, der aus einer Kombination von einem menschlichen mit einem Geflügelpestvirus entstanden war."

Etwas mehr sagt Wiki zu der bislang schlimmsten Influenza-Pandemie, der Spanischen Grippe. 1918/19 kostete sie in 3 Ansteckungswellen mit vermuteten 25 bis 100+ Millionen Toten mehr Menschen das Leben, als im I. Weltkrieg gefallen waren (die US-Infanterie verlor mehr Soldaten durch die Grippe als durch Kampfhandlungen). In den USA starben ca. 675.000 Menschen, im Deutschen Reich ca. 300.000, in Indien geschätzte erschreckende 17 Millionen. Die Letalitätsrate wird bei 2,5 % geschätzt, zu unter 0,1 % im Vergleich zu anderen Grippe-Pandemien. Hierzu muss man zusätzlich beachten, dass sich damals die Weltbevölkerung auf etwa 1,8 Milliarden Menschen belief, etwa 1/5 von heute - was heute rechnerisch 75 bis 500 Millionen+ Toten hieße. 

Die Spanische Grippe gilt als das deutlichste Beispiel dafür, wenn eine Pandemie ohne wirksame Gegenmaßnahmen grassiert. Einige Gegenden in den USA, in denen strenge Trennungsmaßnahmen angeordnet wurden (um Cincinnati?), gelten übrigens Medizinern als Vorbild für das in diesen Monaten allenthalben gewählte 'social distancing' - außer bislang im, sehr vereinfachend, eher an der Asiatischen Grippe orientierten Schweden.

Interessant noch,was beim schweizerischen BAG Bundesamt für Gesundheit zu lesen ist: " Historische Grippepandemie In unregelmässigen Zeitabständen entstehen neuartige Grippeviren, gegen welche die meisten Menschen nicht immun sind. In einem solchen Fall kann es zu einer Grippepandemie kommen, d.h. das Auftreten eines neuartigen Influenzavirus, gegen welches ein Grossteil der Bevölkerung nicht immun ist und das in unregelmässigen Abständen immer wieder stattfindet."

Und schließt: "Die genetische Veränderlichkeit der Influenza A-Viren (Antigen-Shift) wird auch in Zukunft zum Auftreten von neuen Stämmen und Subtypen führen, gegen welche ein Grossteil der Menschen nicht immun ist. Wann ein neues Virus und somit die nächste Pandemie auftritt, lässt sich kaum vorhersagen."

Wie wir jetzt erleben...

 

Nachtrag vom 2.September 2020: Die FAZ führt auf S. N1 eine noch ältere Grippe ein, die "Russische", und fragt: "War die bis heute mysteriöse Russische Grippe eine Corona-Pandemie?" Vor 130 Jahren war ein Erreger, der mit dem aktuellen Pandemievirus verwandt ist, von Rindern auf den Menschen übergesprungen und hatte sich von Zentralasien rasend schnell ausgebreitet. 1890, nach kurzem Abflauen, schlug eine zweite Welle zu, härter noch als die erste. 'Diese Grippe, möglicherweise eine Coronaseuche,die erste der Neuzeit, tötete in wenigen Jahren 1 Million Menschen. Heute ist ihr Auslöser - HCoV-OC43 - nur noch einharmloses Schnupfenvirus. Mangels historischen Gewebematerials läßt sich ein Nachweis nicht führen, doch sind die Symptome von damals denen von Covid-19 auffallend ähnlich, einschließlich des Verlusts von Geruch und Geschmack. Wissenschaftlich bewiesen allerdings ist der Zusammenhang der Russischen Grippe mit einem Corona-Virus nicht.

 

FAZ-Hauptschlagzeile 3. April 2020 "Amerikas Arbeitsmarkt bricht zusammen. Mehr als sechs Millionen neue Arbeitslose in einer Woche".

USA: Vom 2. auf den 3. April trauriger Rekord des weltweit bislang stärksten Anstiegs an Todesfällen an 1 Tag: + 1.169 (bislang Italien + 969 am 27. März) auf mehr als 6.000 Tote. (Vergleicht man dies mit den 675.000 US-Toten der Spanischen Grippe ohne Eingriff ins (Wirtschafts)Leben, kann man ein wenig besser die Aufforderung verschiedener Geschäftsfreunde an Präsident Trump einordnen, auf der Welle zu surfen statt sich ihr entgegen zu stellen: “I’ve had many friends, businesspeople, people with great actually common sense — they said, ‘Why don’t we ride it out?’”.)  

 

Momentaufnahme zum Stand der Infizierten und Toten am 03.04.2020 (stündlich steigend):

                                        Infizierte                Tote          Genesene           Düsseldorf                                 538                    4                             

NRW                                     18.557                224                        Deutschland                          85.903              1.122           22.440             Welt                                 1.039.000            55.100         200.320

USA                                    245.600           > 6.000                            Spanien                               117.700            11.000                              Italien                                  115.200            14.000                                China (andere Zählung!)         82.500          >  3.320                         Frankreich                              60.000          >  5.300                         Schweden                                6.078                 333               103

Natürlich müsste man zum einen für eine 'richtigere' Beurteilung statt der absoluten Zahlen die relativen nehmen, also die Zahlen in Bezug zur Bevölkerungszahl setzen, z.B. pro 1 Mio. Enwohner. Doch auch insgesamt sind die Zahlen nicht wirklich vergleichbar, weil in unterschiedlichen Ländern, Institutionen unterschiedliche Erhebungsverfahren zum Ansatz kommen. Es beginnt schon damit, dass die einen die Tode "von an Corona Erkrankten", andere "von mit Corona Erkrankten" erfassen, und setzt sich darin fort, dass es erheblich davon abhängt, beispielsweise wieviele Coronatests erfolgt sind, auch ob ohne Obduktion (überwiegend bislang) oder mit - mithin nur ein grober Tendenz-Überblick.

Für andere Länder Afrikas, Asiens, Südamerikas, in denen längst hohe Ansteckungen zu befürchten sind, stehen keine neutralen Zahlen zur Verfügung. In Ägypten z.B. hat es</

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