Besondere Tisch–Ereignisse

Coronavirus 2.2 Es geht weiter, klar
18.05.2020

Coronavirus 2.2 Es geht weiter, klar

Es hört nicht auf, und wohl noch lange nicht,  das Coronavirus. (Übrigens, "der" geht gemäß Duden doch auch.) 
 
Für Herbst wird nun schon die 2. Corona-Welle prophezeit. Geht's uns so, woran sich Prof. Karl Schiller, der legendäre Doppelminister vor 50 Jahren, erinnert fühlte, nämlich "an jenen Mann, der aus dem Fenster des neunten Stockwerks gefallen ist und der, beim ersten Stockwerk angelangt, ruft: Bisher ist doch alles gut gegangen!"? Manche  Reaktionen hie und da nach den bundesweiten Lockerungen seit dem 18. Mai - Unvernunft in Restaurants, endlich wieder Urlaub im Ausland, Abstands- und Maskengebote nicht einhaltende Demonstrationen gegen die angebliche Beschneidung unserer Freiheitsrechte... - lassen ahnen, dass die 2. Welle der Corona-Pandemie (vielleicht auch nur: rascher) kommen könnte. Wenn es wegen dieses Leichtsinns einer kleinen Minderheit der Bürger, bei manchen auch ideologisch-vorsätzlich wieder zu Schließungen von Restaurants, Geschäften kommt, dann wird die Befürchtung des "Sterbens der Innenstädte" schlagend werden. 
 
Schauen wir heute erst einmal aktuell auf ein paar Zahlen aus der corona-aktualisierten Steuerschätzung des BMF v. 14.05.2020, die mit 4.376 Milliarden Euro (4,4 Billionen) von 2020 bis 2024 um 317 Mrd. Euro niedriger liegt als die letzte Schätzung vom Oktober 2019 (4.376 Milliarden): Steuerausfälle 2020 - 2024 nach Bereichen
 
 Jahr        Bund    Länder    Gemeinden       EU        Summe   (ger., Mrd. €)
2020       - 44        - 35          - 16            - 4        -   99
2021       - 32        - 14          -   7              0        -   53
2022       - 34        - 17          -   8              0        -   59
2023       - 30        - 16          -   8              0        -   54
2024       - 29        - 15          -   8              0        -   52  
Summe  - 169       - 97          -  46           - 4        -  316 Milliarden Euro
 
Wie gehen wir volkswirtschaftlich damit um? Sind wir wieder an einer Wegemarke ähnlich der zum Anfang der Bundesrepublik, bei der für (West)Deutschand so glücklichen wie knappen Entscheidung zugunsten der Erhard'schen Marktwirtschaft und gegen den sozialistischen Weg zeitgleich mit der DDR ins Wirtschaftsgrauen? Diesmal 'nur' nicht in die sozialistische, sondern eher in eine paternalistische, staatsgelenkte Richtung statt der selbstheilend marktwirtschaftlichen? Mit so 'eindrucksvoll mit wirtschaftlichen Erfolgen ausgewiesenen Wirtschaftslenkern' wie Altmeier, Heil, Scholz & Co.? Die hohen Stützungsbeträge, die aus 'der Wirtschaft' angefordert werden (Lufthansa 9 Mrd., TUI >2 Mrd., sogar das gerade noch vor hohen Gewinnen überlaufende Unternehmen Adidas hat den Finger gehoben), verlocken natürlich so manchen Politiker, sich nun als Konzerne-Oberchefs zu versuchen. Bloß nicht! Denn wohin das führt, zeigt(e) Frankreich nach/seit 1945 mit dem protektionistisch-etatistischen Weg der "planification", unterbrochen nur so erfolgreich wie leider kurz (frühe 1960-er Jahre) von Prof. Jacques Rueff's (u.a. Finanzminister, Ministerpräsident Frankreichs)  Ausrichtung an L. Erhard (vgl.  K. Albrecht "Planifikateure beim Werk", 1964, damals ein wirtschaftswissenschaftlicher Bestseller). Immerhin: Bei der Rettung der Bundesbahn sollen im Aufsichtsrat nicht die Staatssekretäre das Sagen haben, sondern eigens von der Bundesregierung berufene Manager. Na ja, mal sehen, denn die Bahn ist nun mal kein normales Unternehmen.
 
Mut machend: Die führenden Ökonomen unserer Republik, von denen man wie zur Finanzkrise vor 10 Jahren erst wieder hört, seit das Kind im Brunnen liegt, setzen auf Marktimpulse pro starkes Wachstum, contra haushälterisches Sparen und contra Steuererhöhungen. Sparen will auch BFMin. Scholz nicht, und die Union lehnt Steuererhöhungen, weil Gift für das Wachstum, strikt ab. Wenn dazu Ausgabenkontrolle, -disziplin kommen, die die Staatsausgaben deutlich unter der Zunahme des Bruttosozialprodukts 'festhalten', könnte es gelingen - wie vor 10 Jahren bei ähnlich düsterem Szenario. "Stand heute keinerlei Erhöhungen von Steuern und Abgaben, ausdrücklich keine Vermögensabgabe", so die Kanzlerin, "ich möchte, dass wir noch ein paar Unternehmen haben, die auch Steuern zahlen können."  
Doch die Sarahs, Saskias und Kevins aus dem linken Spektrum wittern Morgenluft für ihre alte, nicht tot zu kriegende sozialistische Gespensterbahn: Anhebung Spitzensteuersatz und Reichenabgabe (dass spitze und reich schon beim gehobenen Facharbeiter beginnt, progressionsdefiniert, wird dem Publikum gern verschwiegen), na klar, die unverwüstliche Vermögensteuer..., weitere Hilfen für die, die da mühselig und beladen sind, und die zur Abstimmung stehende Grundsteuer: Was ist schon das kleine "Milliardchen" gegen 9 Milliarden für die Lufthansarettung, wußte Sarah W. in Anne W.s Talkshow-Runde am 17. Mai. "Genossen, Ihr wollt ja in Wirklichkeit eine ganz andere Republik! Nun lasst mal die Tassen im Schrank! Die Pferde müssen wieder saufen!" hätte ihnen Karl Schiller zugerufen und "Stabilität ist nicht alles. Aber ohne Stabilität ist alles nichts!"
 
Dahinter tritt, so der Eindruck, allmählich die anfangs alles dominierende medizinische Komponente zurück, nämlich dass dieses Virus unverändert ein "unberechenbarer Feind" geblieben ist, wie die FAZ am 25. Mai schreibt: "Ein teuflisches Wechselspiel... noch immer sind viele Rätsel zu lösen.  Prof. G. Richter, 64, Chefarzt im Stuttgarter Klinikum, einem Haus der Maximalversorgung, nach der Auswertung von mehr als 300 CT-Bildern seiner Covid-Patienten erschüttert: "Eine derartige Häufung von schweren viralen Lungenentzündungen habe ich im klinischen Alltag vor dieser Krise noch nie gesehen." Beunruhigt ist Richter auch von möglichen Spätfolgen der viralen Lungenentzündungen und Problemen des Blutgerinnungssystems: "Wir wissen noch nicht, ob sich die Lungen erholen, ob eventuell bei genesenen Patienten lebenslang eine Lungendestruktion bestehen bleibt." Die meisten forschend behandelnden Mediziner sprechen inzwischen nicht mehr 'nur' von einer Lungenerkrankung, sondern von einer Systemerkrankung, einem Multiorganversagen. Schwere Nierenschädigungen, hohes Thrombose-Risiko durch Veränderung von Blutplasma und Blutzellen mit Risiken für Lunge, Niere, Herz, Leber, Darm und Nervensystem ohne altersmäßige Eingrenzungen, Gefäßentzündungen. Dementsprechend werden frühere Erkentnisse [alte Männer mit Vorerkrankungen] zunehmend skeptisch gesehen: "Wir wissen nach der ersten Welle noch nicht, warum manche Patienten schwer erkranken und andere nur leicht. Wir hatten hier jüngere Patienten ohne Vorerkrankungen, die nicht überlebten, und Krebspatienten, die Covid-19 gut überstanden." Es wird nun intensiv und viel geforscht - bis hin zu Randthemen wie der Frage, ob zivilisatorische Stresserkrankungen in einer Lockdown-Situation seltener vorkämen, ausgelöst durch die Beobachtung eines starken Rückgangs an 'normalen' Erkrankungseinlieferungen." Insgesamt gebe es über die Erforschung hinaus viel zu tun, um für die Zukunft auf Pandemien besser vorbereitet zu sein, "denn Situationen, wie wir sie jetzt erlebt haben, werden wiederkommen."
 
Und um das rascher wahr werden zu lassen, als uns allen lieb sein kann, demonstrieren nach dem Motto "dümmer geht immer" bunte Mischungen aus Verschwörungstheoretikern, Impfgegnern, Gegnern von allem möglichen, rechts- wie linksradikalen Grölern teils ungeschützt und eng beieinander. Sind unsere Altstadt und Rheintreppen Mitte Juni gedrängt voll. Sitzen die NRW-Grundschüler wieder in voller Klassenstärke, maskenbewehrt, nebeneinander, um in den 14 (!) Tagen bis zu den Sommerferien noch einmal kurz zu erleben, wie 'normale Schule' geht. Starten am 15. Juni zwei voll besetzte Flugzeuge von Frankfurt und Düsseldorf nach Mallorca als Vorhut von insgesamt 11.000 deutschen Touristen, die als 'Versuchskaninchen' schon mal dorthin dürfen (im Corona-Dreiteiler Bikini mit Gesichtsmaske oder, ganz sexy, Gesichtsmaske statt Oberteil, das hat doch was; nur Balllermann ging noch nicht, die Strohhalme sind kürzer als der nötige mitmenschliche Mindestabstand - doch auch dafür werden die Feiermonster sicher Lösungen finden. Ebenso für das zur Urlaubsfreude gehörende geschickte Überwinden von sexual distancing nicht verwandter Personen - aber merke: "er ist kürzer als du denkst", wie man von zahlreichen Pissoirkritzeln weiß).  
Parallel zu diesen menschlich nachvollziehbaren Akten der Befreiung aus der Pandemie erreicht uns am 15. Juni auch die Meldung aus China, dass Teile Pekings aus Angst vor der weltweit befürchteten "2. Welle" wieder komplett abgeriegelt wurden, weil auf dem größten Markt Chinas neue Corona-Fälle in größerer Zahl aufgetreten sind. Und dass die Türkei nach ersten Lockerungen schon den Beginn der 2. Welle fürchtet, obwohl noch keine Touristen kommen durften. 
Sollte das nicht Menetekel genug sein? NÖÖÖ!: Hören wir von Brasiliens Präsident doch weiter die Leugnung einer ernsthaften Situation, schießt Russland trotz Putins "alles im Griff" in der Erkrankungstabelle weiter nach oben, steigen die Todeszahlen in den USA immer noch (wo allerdings seit 2 Wochen der Protest gegen die Tötung zweier Afroamerikaner durch weiße Polizisten mediale und demonstrierende Priorität hat). Öffnen sich bei uns die europäischen Nachbarn für den - wirtschaftlich dringend gebrauchten - Tourismus, beglückt man uns mit einer von Datenschützern auf, wie es heißt, eher geringe Tauglichkeit zurückgestutzte "Corona-App". Erstaunlich: Innerhalb weniger Tage nach deren Freischaltung haben gut 12 Millionen Bundesbürger diese App bereits 'downgeloaded'.
 
Doch immerhin, die große Mehrheit unserer Mitbürger hält sich an die Hauptregel Mund-/Nasenschutz mit Mindestabstand (an der Wurst- und Käsetheke allerdings greifen gerade bei Älteren die alten Drängelgene). Was wir früher als "japanisch" belächelt haben, charakterisiert nun hier das Stadtbild mit einer modisch bunt modifizierten Vielfalt an Masken. Banküberfälle gehen gerade gar nicht.
 
Ach ja, die Börsenkurse. Wie vor Wochen auch hier geschrieben, stellten die ca. 8.500 Dax-Punkte tatsächlich die Untergrenze ("Bodenbildung") dar. Bis Anfang Juni eine "fulminante Rally" bis auf 12.500 Punkte (+ knapp 50 %!). Am 15. Juni ein Rücksetzer auf 11.900 ("Bloß ein kurzer Dämpfer oder Beginn einer heftigen Abwärtsbewegung?" (FAZ, Finanzteil 16.06.20). Doch warum nicht die natürlichste Erklärung der (Aktien-)Welt? Denn welcher professionelle Anleger - und die diktieren nun mal das Kursgeschehen - ist bei einem Anstieg von 50 % nicht mehr als versucht, die herben Verluste seit März durch Zwischengewinne einzugrenzen? Verhält sich die Mehrzahl der  Akteure so, löst es nahezu zwangsläufig einen Kursrückgang aus, nach dem man sich rasch wieder eindecken kann, usw..  Und wie zur Bestätigung: 1 Tag später, am 16.6., sprang der Dax um 500 Punkte auf 12.400 (stattliche 4 Prozentpunkte) - hierzu blieb die FAZ ohne Kommentar. So wird es wohl - bei derart viel Liquidität im Markt - noch länger weiter gehen.  Nur - die "2. Welle" darf nicht dazwischen kommen!)
 
Was letzteres anbelangt, beschleicht Lit schon länger die Sorge, dass die verschleierten Erkrankungssituationen in den Slums und Armutsgebieten der Dritten Welt mit den geringen ärztlichen Möglichkeiten dieser Länder uns wieder 'einkriegen' können. Nochmal können wir uns eine Neuverschuldung von 218,5 Milliarden Euro (2. Nachtragshaushalt des Bundes 2020) für die Hilfen für Wirtschaft, Freiberufler, Gewerbetreibende, Studenten, Kinderboni, Kommunen you name it, nicht zuletzt auch die auf ein halbes Jahr befristete Senkung der Mehrwertsteuer nicht leisten - von den Beiträgen,die wir im Rahmen der EU-Maßnahmen zu leisten haben werden, noch gar nicht geredet. Es sei denn, die Notendruckmaschinen würden wie in den 20-ern des vorigen Jahrhunderts angeworfen (Scheine mit "1 Billion Reichsmark" Nennwert) und anschließend eine Währungsreform wie 1948 initiiert, was die vielzitierte "Belastung der kommender Generationen" zum Teil auf die verursachenden jetzigen Generationen vorziehen könnte. Aber wer will das schon? Bestimmt nicht nur die Alten. Und schon gar nicht die europäischen Südstaaten.
 
Anzeichen einer Dominanz derer, die einer Staatswirtschaft zuneigen, mehren sich - nicht zuletzt durch BWMin Altmaier, der von der Philosophie der von ihm gern beanspruchten sozialen Marktwirtschaft Erhardscher Prägung gedanklich allzu weit entfernt steht. Frau Merkel plötzlich an der Seite Macrons pro Schuldenübernahme in der EU. Der Einstieg der Bundesrepublik mit 9 Mrd. Euro als Aktionär bei Lufthansa, die bislang inhaltlich intransparente Beteiligung an einem Impfstoffhersteller(Curevac Tübingen, an der sich angeblich auch Präsident Trump exklusiv für die USA beteiligen wollte) mit 300 Millionen Euro, grundsätzlich die Erschwerung von ausländischen Beteiligungen an deutschen Unternehmen sind Indizien. "Principiis obsta!"?- will in diesen Zeiten keiner hören, schon gar nicht von Wirtschaftswissenschaftlern, die als Zunft vor lauter mathematischer Formelakrobatik schon lange den Anschluß an die realwirtschaftlichen Entwicklungen verloren haben.
 
Und, jawoll, auch Fußball ist ein Corona-Thema. Darf nach dem längeren Spielverbot nun auf höchstem Niveau von Liga 1 und 2 (nicht aber Kneipen- und Schülermannschaften...) auch wieder sein, "Geisterspiele" genannt, weil in zuschauerleeren Stadien - die Tonkulisse im Fernsehen von Spielern und Betreuern, die sozusagen nur für sich kicken, hört sich so an wie sonst bei einem Kreisklasse-Spiel, interessant. Die "Bayern" haben soeben vorzeitig die in Serie 8. Meisterschaft geholt (ihre 30. insgesamt). Fortuna bekommt lobende Wertungspunkte für gepflegte Spielkunst; da es aber in der Bundesliga keine Kür-, nur Ergebniswertungen gibt, beschränkt sich das Restspielprogramm auf die 'Verteidigung' des Relegationsplatzes - es sei denn, der eine oder andere Klub rutscht doch noch finanziell auf "Corona" aus, weil eingeplante TV-Einnahmen ausfallen.  
 
Zum Corona-'Tabelle'-Zwischenstand: Stand 16.06.2020, Zahlen John-Hopkins-Univ., auf volle 1000 gerundet, methodisch z.T. stark eingeschränkte Vergleichbarkeit, nicht in jedem Land verläßlich
Land                 Infizierte        Tote               Genesene       Tote 11. Mai
USA   *)           2.114.000       116.000           567.000          89.500
Brasilien              888.000         44.000           478.000          15.700
Russland**)         540.000           7.000                ?                 2.600  
Indien                  332.000           9.520                ?                   ?
Großbrit.              298.000          42.000              1.300         34.500
Spanien               244.000          27.000           150.000         28.000
Italien                  237.000         34.000            177.000
Iran                      190.000           9.000                ?
Deutschland       188.000           9.000          173.000         8.000
China***)               84.000           5.000             79.000     
Südafrika                62.000                ?                    ?
weltweit             8.045.000        437.000        3.883.000       312.000
*) Anm.: Relativ zur Einwohnerzahl ist die Zahl der Toten in anderen europäischen Ländern höher
**) rasant steigend
***) tja
     
 Die oben ausgesprochene Sorge um die "2. Welle" erfährt leider auch von hier ausgehend viel 'Nahrung': Mehr als 1.500 (Stand 25.06.) positiv getestete Arbeiter der Rum-Wurstelei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück, verstreut in beengten Räumlichkeiten über mehrere westfälische und angrenzende niedersächsiche Landkreise hausend, sind der geballteste deutsche Hotspot der Krise, deutlich mehr als damals in Heinsberg oder Ischgl. Ob die just zum Beginn der NRW-Sommerferien für verschiedene Nord- und Ostseeorte und Bayern verfügte Aussperrung von Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf noch rechtzeitig kommt? Für Österreich gilt die Aussperrung für Menschen aus ganz NRW - und in griechischen Medien wird das auch für dort erwartet.
Die in der Rheinischen Post dokumentierten Verhältnisse vom Wochenende 20./21. Juni in Altstadt, Kasematten und an der Burgplatz-Treppe weisen auf grassierende Gleichgültigkeit insbesondere junger Mitbürger gegenüber den unverändert bestehenden Risiken hin. Beim Einkaufen, auf den Strassen allerorten mehrt sich die Nichteinhaltung der Mindestabstandsvorgaben signifikant. Auf die Angst des Virus vor den aktuell hohen Temperaturen zu setzen, ist doch etwas wenig - zumal die Pandemie auch traditionell heiße Länder trifft.
Wie hieß es doch in den Ärzteberichten"?: "Multiorganversagen" - das Virus befällt offenbar auch das Organ ganz im Norden des menschlichen Körpers... 
 
Wenigstens 'die Wirtschaft' läßt hoffen:Die Lufthansa wird (einstweilen?) mit einem staatlichen, von der EU nicht beanstandeten Rettungspaket in Höhe von 9 Mrd. Euro vor dem Gang in die Insolvenz gerettet, sie fliegt wieder, wenn auch stark reduziert. TUI blickt - mit gestiegener Erwartung in die traditionelle Reisewut der Deutschen - etwas hoffnungsvoller nach vorn als noch vor wenigen Wochen. Der coronabedingt massiv eingebrochene Geschäftsklimaindex macht am 24.06. einen an einem Tag noch nie da gewesenen Satz in die Höhe. Und auch die Börse hält sich weiterhin mit Kursen oberhalb von 12.000-Dax-Punkten wacker - trotz des Wirecard-Betrugs mit 1,9 Mrd. € Umsatz-Luftbuchungen (ausnahmsweise keine Corona-Folge). Ob bilanzierter Beschiss oder über Sub- und Subsubunternehmer verschleierte jahrzehntelange Ausbeutung osteuropäischer Schlachtarbeiter, es sagt etwas über die Gier einzelner, bis zu ihrem Fall auch von Medien verhätschelter Wirtschaftsteilnehmer aus, leider aber auch über das Versagen von Wirtschaftsprüfern und Bafin gegenüber kriminellen Vorstandsmachenschaften und von wegschauender staatlicher Aufsicht in z.B. Schlachtbetrieben und deren Unterkünften. (Komisch, denkt Lit, bei Schalke 04 stehen seit vielen Jahrzehnten immer mal wieder obere Vereinsköppe für alles Mögliche, nur nicht für Seriosität.)
 
Und wir Jonges, was geht da so in dieser Zeit?
Tisch Wirtschaft findet naheliegenderweise nicht statt, kann derzeit nichtmal Wirtschaft: Ausgerechnet die beliebten sommerlichen inne-Wirtschaft-Treffen ohne Henkelsaal fallen untern Tisch. (Unser Baas nutzt dies und schwitzt derweil in der Reha - Dir, lieber Gerd, auch von dieser Stelle beste Wiederherstellungswünsche!) 
Positiv: Bislang sind noch keine positiven Tests auf Corona an unserem Tisch bekannt! Vielleicht auch deshalb - denn was nicht ist, kann ja noch werden:) - macht sich unser Vorstand Gedanken, wie man das Tisch-Leben wieder in Gang bringen könnte, physisch, mit - versteht sich - aller Hygiene- und Maskenvorsicht. Doch dieser Zweifel regt sich und macht eine Lösung schwierig: Würden sich die Tischfreunde nach so langer Näheabstinenz distanziert an ein Wiedersehen ohne Umarmungen, männliche Wangenküsse halten können, gewöhnen wollen? Oder sollte gar die vor einigen Jahrzehnten aus Frankreich überkommene, hier längst heimisch gewordene "accolade" coronabedingt ganz und gar allmählich wieder deutscher Begegnungssachlichkeit weichen? Irgendwas Positives müsste uns Corona doch bringen können...
Und der Jonges e.V.? Die kürzlich nicht nur im "TOR" befeierte Telefonseelsorge des Vorstands der Jonges e.V. für ältere Heimatfreunde ab 70  ist offenbar zum Erliegen gekommen, Baas Rolly (voll neuer Erkenntnisse zum Jonges-Seelenleben, aber müde nach "mehr als 500 persönlich geführte Telefonate" einschließlich, weil auch > 70, eines mit sich selbst) ist stattdessen derzeit eher medienorientiert und vorbildlich per Fahrrad unterwegs, woran er uns, seine Tischfreunde, jedenfalls soweit WhatsApp-inkludiert, dankenswerterweise - "thumb-up"! - mit so abstinenzlindernden wie ausführlichen Videos und Gazettenausschnitten teilhaben läßt. Nachdem die Jonges-organisierte Vorstellungsrunde der (ohne Rolly) 4 Kandidaten für die Wahl zum Oberbürgermeister per Jonges-Video-Konferenz einen neuen Weg interner Kommunikation (wie war eigentlich die Einschaltquote?) eingeläutet hatte, darf der solcherart affine Jong gespannt im Home-Office auf weitere Vereins-Einsätze warten. Wie man dabei at home, auf alles vorbereitet, gekleidet sein sollte, zeigte z.B. Rollys Corona-Werbe-Aufnahme im Notfallbett, mit Nurse. Und wie auf keinen Fall (z.B. nur Jonges-Krawatte und brustwarzpiercende Vereinsnadel wird auch bei 30° als ein wenig indezent angesehen), darüber hat inzwischen der eine und andere Beitrag im Tisch-WhatsApp informiert, inkl. nachvollziehbaren erfahrungsgetränkten Warnungen, Gespielinnen bzw. deren männliche oder neutrale Varianten sollten besser nicht durch's Bild huschen, egal, ob man verheiratet, nicht verheiratet oder sonstwie anders liiert ist. 
 
Nun ist 'es' passiert (Stand 27.06.2020):
- Fortuna ist nach 2 Jahren zurück in Liga 2. Die Mannschaft fällt auseinander,
da wird es mit dem direkten Wiederaufstieg wohl zu schwer, Frank - oder? 
- Die Marke von 10.000.000 Corona-Infizierten weltweit ist überschritten; 25 % davon entfallen auf die USA (dort 4,9 % Todesfallanteil), 50 % allein auf Nord- und Südamerika. Weiterhin Brasilien und Russland und neuerdings Peru zeigen starke Anstiege bei den Infektionen.
- In der Relation Tote zu Infizierten 'führt' Großbritannien (15 %) vor Italien (14,6 %) und Spanien (11,2 %). Schwedens anderer Weg wird nicht 'belohnt': 7,7 % sind ein höherer Wert als in den meisten anderen Ländern - wie immer bei eingeschränkter Vergleichbarkeit. Die deutsche Rate lautet 4,6 %, NRW kommt trotz Tönnies&Co. auf 'nur' 4,0 %.
- 'Die Deutschen' haben zu 75 % keine Angst mehr vor einer C.-Infektion,
ergab die letzte Sonntags-Frage - entsprechend leichtsinnig und krawallig ging es am Wochenende in unserer Altstadt zu. Immerhin: Gut die Hälfte der
Befragten will den Urlaub 2020 zuhause verbringen, ins außereuropäische
Ausland zieht es gerade mal 2 % (wobei für dort erschwerend weiterhin die
deutsche amtliche Reisewarnung gilt).
 
Forts. 07.07.20
 
  
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