Besondere Tisch–Ereignisse

Coronavirus (4) Es geht weiter, klar
18.05.2020

Coronavirus (4) Es geht weiter, klar

Es hält uns in Bann, das Coronavirus. (Übrigens, "der Virus" geht gemäß Duden auch.) 
 
Für Herbst wird nun schon die 2. Corona-Welle prophezeit. Geht's uns so, woran sich Prof. Karl Schiller, der legendäre Doppelminister vor 50 Jahren, erinnert fühlte, nämlich "an jenen Mann, der aus dem Fenster des neunten Stockwerks gefallen ist und der, beim ersten Stockwerk angelangt, ruft: Bisher ist doch alles gut gegangen!"?
 
 
Schauen wir heute einmal aktuell auf ein paar Zahlen aus der corona-aktualisierten Steuerschätzung des BMF v. 14.05.2020, die mit 4.376 Milliarden Euro (4,4 Billionen) von 2020 bis 2024 um 317 Mrd. Euro niedriger liegt als die letzte Schätzung vom Oktober 2019 (4.376 Milliarden).
Wie gehen wir volkswirtschaftlich damit um? Sind wir wieder an einer Wegemarke, diesmal nicht in die sozialistische, sondern eher in eine paternalistische, staatsgelenkte Richtung statt der selbstheilend marktwirtschaftlichen? Die hohen Stützungsbeträge, die aus 'der Wirtschaft' angefordert werden (Lufthansa 9 Mrd., TUI >2 Mrd., sogar das gerade noch vor hohen Gewinnen überlaufende Unternehmen Adidas hat den Finger gehoben), verlocken natürlich so manchen Politiker, sich nun als Konzerne-Oberchefs zu versuchen. Bloß nicht! Denn wohin das führt, zeigte Frankreich mit dem protektionistisch-etatistischen Weg der "planification" (vgl.  K. Albrecht "Planifikateure beim Werk", 1964, damals ein wirtschaftswissenschaftlicher Bestseller).
 
Immerhin: Die führenden Ökonomen unserer Republik, von denen man wie zur Finanzkrise vor 10 Jahren erst wieder hört, seit das Kind im Brunnen liegt, setzen auf Marktimpulse pro starkes Wachstum, contra haushälterisches Sparen und contra Steuererhöhungen. Wenn dazu Ausgabenkontrolle, -disziplin kommen, die die Staatsausgaben deutlich unter der Zunahme des Bruttosozialprodukts 'festhalten', könnte es gelingen. "Stand heute keinerlei Erhöhungen von Steuern und Abgaben, ausdrücklich keine Vermögensabgabe", so die Kanzlerin, "ich möchte, dass wir noch ein paar Unternehmen haben, die auch Steuern zahlen können."  
Doch die Sarahs, Saskias und Kevins aus dem linken Spektrum dieses Landes wittern Morgenluft für ihre alte, nicht tot zu kriegende sozialistische Bahn der Gespenster namens Anhebung Spitzensteuersatz, Reichenabgabe (dass Spitze und reich schon beim gehobenen Facharbeiter beginnt, progressionsgeschuldet, wird dem Publikum gern verschwiegen), na klar, die unverwüstliche Vermögensteuer..., weitere Hilfen für die, die da mühselig und beladen sind. Was ist schon das kleine "Milliardchen" gegen 9 Milliarden für die Lufthansarettung, wußte Sarah Wagenknecht in Anne W.s Talkshow-Runde am 17. Mai. "Genossen, Ihr wollt ja in Wirklichkeit eine ganz andere Republik! Nun lasst mal die Tassen im Schrank! Die Pferde müssen wieder saufen!" hätte Karl Schiller gestöhnt und gewarnt: "Stabilität ist nicht alles. Aber ohne Stabilität ist alles nichts!"
 
Dahinter tritt, so der Eindruck, allmählich die anfangs alles dominierende medizinische Komponente zurück, nämlich dass dieses Virus unverändert ein "unberechenbarer Feind" geblieben ist, wie die FAZ am 25. Mai zitiert: "Ein teuflisches Wechselspiel... noch immer sind viele Rätsel zu lösen. Prof. G. Richter, 64, Chefarzt im Stuttgarter Klinikum, einem Haus der Maximalversorgung, nach der Auswertung von mehr als 300 CT-Bildern seiner Covid-Patienten erschüttert: "Eine derartige Häufung von schweren viralen Lungenentzündungen habe ich im klinischen Alltag vor dieser Krise noch nie gesehen." Beunruhigt ist Richter auch von möglichen Spätfolgen der viralen Lungenentzündungen und Problemen des Blutgerinnungssystems: "Wir wissen noch nicht, ob sich die Lungen erholen, ob eventuell bei genesenen Patienten lebenslang eine Lungendestruktion bestehen bleibt." Die meisten forschend behandelnden Mediziner sprechen inzwischen nicht mehr 'nur' von einer Lungenerkrankung, sondern von einer Systemerkrankung, einem Multiorganversagen. Schwere Nierenschädigungen, hohes Thrombose-Risiko durch Veränderung von Blutplasma und Blutzellen mit Risiken für Lunge, Niere, Herz, Leber, Darm und Nervensystem ohne altersmäßige Eingrenzungen, Gefäßentzündungen. Dementsprechend werden frühere Erkentnisse [alte Männer mit Vorerkrankungen] zunehmend skeptisch gesehen: "Wir wissen nach der ersten Welle noch nicht, warum manche Patienten schwer erkranken und andere nur leicht. Wir hatten hier jüngere Patienten ohne Vorerkrankungen, die nicht überlebten, und Krebspatienten, die Covid-19 gut überstanden." Es wird nun intensiv und viel geforscht - bis hin zu Randthemen wie der Frage, ob zivilisatorische Stresserkrankungen in einer Lockdown-Situation seltener vorkämen, ausgelöst durch die Beobachtung eines starken Rückgangs an 'normalen' Erkrankungseinlieferungen." Insgesamt gebe es über die Erforschung hinaus viel zu tun, um für die Zukunft auf Pandemien besser vorbereitet zu sein, "denn Situationen, wie wir sie jetzt erlebt haben, werden wiederkommen."
 
Immerhin, die große Mehrheit unserer Mitbürger hält sich an die Hauptregel Mund-/Nasenschutz mit Mindestabstand. Was wir früher als "japanisch" belächelt haben, charakterisiert nun hier das Stadtbild mit einer modisch bunt modifizierten Vielfalt an Masken. Banküberfälle gehen deshalb gerade gar nicht.

 

 

Und, jawoll, auch Fußball ist ein Corona-Thema. Darf nach dem längeren Spielverbot nun auf höchstem Niveau von Liga 1 und 2 (nicht aber Kneipen- und Schülermannschaften...) auch wieder stattfinden, "Geisterspiele" genannt, weil in zuschauerleeren Stadien - die Tonkulisse im Fernsehen von Spielern und Betreuern, die sozusagen nur für sich kicken, hört sich so an wie sonst bei einem Kreisklasse-Spiel.

 

Wenigstens 'die Wirtschaft' läßt hoffen:Die Lufthansa wird (einstweilen?) mit einem staatlichen, von der EU nicht beanstandeten Rettungspaket in Höhe von 9 Mrd. Euro vor dem Gang in die Insolvenz gerettet, sie fliegt wieder, wenn auch stark reduziert. TUI blickt - mit gestiegener Erwartung in die traditionelle Reisewut der Deutschen - etwas hoffnungsvoller nach vorn als noch vor wenigen Wochen. Der coronabedingt massiv eingebrochene Geschäftsklimaindex macht am 24.06. einen an einem Tag noch nie da gewesenen Satz in die Höhe. Und auch die Börse hält sich weiterhin wacker mit Kursen oberhalb von 12.000-Dax-Punkten - trotz des Wirecard-Betrugs mit 1,9 Mrd. € Umsatz-Luftbuchungen (keine Corona-Folge).

 
Und wir Jonges, was geht da so in dieser Zeit?
Tisch Wirtschaft findet naheliegenderweise nicht statt, kann derzeit nichtmal Wirtschaft: Ausgerechnet die beliebten sommerlichen inne-Wirtschaft-Treffen ohne Henkelsaal fallen untern Tisch. 
 
Und der Jonges e.V.? Die kürzlich im "TOR" befeierte Telefonseelsorge des Vorstands der Jonges e.V. für ältere Heimatfreunde ab 70  ist offenbar zum Erliegen gekommen, Baas Rolly (voll neuer "Erkenntnisse zum Jonges-Seelenleben", aber müde nach "mehr als 500 persönlich geführten Telefonaten" einschließlich eines mit sich selbst, weil selbst auch > 70) ist stattdessen derzeit eher medienorientiert und vorbildlich per Fahrrad unterwegs, woran er uns, seine Tischfreunde, jedenfalls soweit WhatsApp-inkludiert, dankenswerterweise - "thumb-up"! - mit ausführlichen Videos und Gazettenausschnitten teilhaben läßt.
 

 

 
Fortgesetzt am 07.07.20
 
  
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