Besondere Tisch–Ereignisse

1. Videotreffen: 15.12.2020 Daniels Digitaler Tisch Wirtschaft
18.12.2020

1. Videotreffen: 15.12.2020 Daniels Digitaler Tisch Wirtschaft

"Bis zum nächsten Jahr!", hieß es in des Tischbaas' Weihnachtsgrüßen.

Doch halt, vielleicht müssen wir gar nicht bis 2021 warten; es kann auch früher klappen, denn Daniel hat diesen Vorschlag noch für 2020:

"Liebe Heimatfreunde, wie Uwe bereits in seiner letzten kreativen Mail feststellte: Corona kann uns nicht separieren! Nach Absprache mit unserem Tischbaas schlage ich deshalb folgendes „Kurzevent“ vor.

Um zumindest dem einen oder anderen Tischfreund vor Weihnachten nochmal zuprosten zu können, möchte ich Euch auf ein Video-Meeting einladen.

Termin:                              15.12.2020 1800 Uhr

Dauer:                                ca. 30. Min

... Es wäre klasse wenn viele Heimatfreunde teilnehmen würden. Kleiner Tipp, am besten funktioniert das Video-Meeting mit einem kalten Glas Altbier…..

Bleibt bis dahin Gesund. Euer Heimatfreund Daniel"

Und tatsächlich, am 15. 12. kurz vor 18 Uhr versammeln sich etwa 15 Jonges in Daniels Chatroom (im Foto oben links) zum EdT Ersten digitalen Treffen des Tisches Wirtschaft (größte zu überbrückende Entfernung: Reinhard meldet sich aus Gran Canaria, salud!) :

 

           Fotos (2) Rolly

                           

Die im Berufsleben Stehenden homeoffice-routiniert, die Rentner rasch die Etiketten lernend ("nicht reinquatschen!", Mikro aus, wenn man nichts zu sagen hat, Hand heben, wenn man was sagen möchte, auch wenn man nicht wirklich was zu sagen hat), Jörg (unten rechts schwarz) nur gelegentlich zu hören im Technikkampf mit Kamera und "Babara". Unten links praktiziert nicht jemand protesthalber die berühmt-berüchtigte frz. 'Politik des leeren Stuhls', da musste nur jemand rasch wieder weg oder mal raus. Rolly, oben 2. von links, meldet sich zunächst aus einem Maisfeld o.ä. ländlicher Umgebung, ehe er gegen Schluß uns (die wir leger ge-, aber bekleidet sind) in sein Ankleidezimmer mitnimmt, wo er sich a) für eine diskrete Abendesseneinladung ("werde bekocht!") aufbrezelt oder aber b) für seinen täglichen, aufopfernden Kampf um öffentliche Aufmerksamkeit für die Düsseldorfer Jonges e.V. und deren Baas in 'dank' Corona veranstaltungsarm gewordenenen Zeiten, gewohnt stylish: weißes Hemd, goldene Jongesmanschettenknöpfe, Krawatte mit Nadel, mit Schwung rein ins Jackett, Einstecktuch großvolumig-flauschig gesteckt und vorm Aufbruch den weißen Schal umgelegt: Steht gerade Joh. Heesters vor uns? "Gute Verrichtung!" wünschen alle, aber da ist Rolly schon weg.

 

Gerd, unser Tischbaas, leitet das Meeting leicht alko-nuschelnd mit dem Hinweis ein, er habe sich darauf bereits ab Mittag vorbereitet, bei 3 Flaschen Rotwein -  wovon nun noch ein Glas übrig sei. Gleichwohl sitzt er, wie man am Bildschirm sieht, gewohnt 'fest im Sattel' und - nach ein wenig Stimmenwirr-Geplänkel, wie es dem einen und anderen so ergangen ist in Corona- und jongesfreien Zeiten - strukturiert er, nun wieder mit fester Stimme, das Meeting: Jeder trägt in möglichst knapp 3-minütigen Statements ein paar Gedanken zu "Corona" bei, wie es gesellschaftlich, wirtschaftlich und überhaupt weitergehen könnte:                   

- Rückkehr zu einigermaßen normalen Verhältnissen nach Impfung wird mehrheitlich für das 2. bis 3. Quartal 21 erwartet                                            

- Wandel ist ein typisches Merkmal einer freien Wirtschaft, Ereignisse wie Corona wirken 'nur' als Katalysatoren oder Beschleuniger. Branchen kommen, blühen, welken - Handel war schon immer Wandel. Wie werden die Innenstädte aussehen, wo jetzt schon leer stehende Geschäftsräume angeboten werden, "Räumungsverkauf" zu lesen ist?

- Branchen werden sich neu aufstellen müssen, so sie nicht mit traditionellen Geschäftsmodellen als analoge Fossilien ohnehin ausscheiden.

- Gute Zeiten nicht zur Bildung von Risikorücklagen genutzt, die Finanzierung des Wachstums auf Kante genäht, schlechte Managementleistung - und nun nach dem Staat rufen. [TUI als Preussag-Nachfolgerin im Streben nach Weltmarktführerschaft auf Mrd.-Pump seit Ende der 80-iger d.v.Jh. ein 'gutes' Beispiel für schlechte Unternehmerschaft, nun 'auf Staatsknete'; Thyssen-Krupp nach Jahrzehnten schlechter Unternehmensführung zurecht (hoffentlich auch weiter) nicht mit Staatshilfe, gar -beteiligung bedacht]

- Liquiditätsengpässe, Insolvenzen in erheblicher Zahl.

- Entsprechend steigende Arbeitslosigkeit.                               

- Starke Beschleunigung der Digitalisierung. Online-Einkauf schlägt zur Zeit alles (bis demnächst die Straßen von Auslieferungsfahrzeugen so verstopft sind, dass das unterbunden werden muss).                                                    

- Volkswirtschaftlich auf längere Sicht Zins- und Inflationsschübe ja/nein?*) ('Scholzomat' BM.Fin Scholz' Gelddruckautomat mit Billionenbeträgen weckt unwillkürlich Erinnerungen an Billionenmarkscheine der Großen Inflation und damit Sorge um den Geldwert)

Auf kurzen Nenner gebracht: Jedenfalls nichts mehr, wie es vor Corona war.

Neben diesen unserem Tischnamen gemäßen wirtschaftlich dominierten Themen klingt die große Sorge um die jungen Generation an. Hier nicht langfristig gemeint, weil sie das heutige Schuldenmachen irgendwann auszubaden haben wird (Währungsschnitt, Abwertung...), sondern ganz zeitnah: Die Arbeitssuche nach Ausbildungsabschluß ist derzeit ein einziger Hindernislauf. Und für Studienanfänger fällt der Reiz des Neuen als Beginn eines spannenden Lebensabschnitts schlicht ins Corona: Erstmals für länger allein fort von zuhause, eigenständiges Strukturieren des Alltäglichen, Kennenlernen einer neuen Dimension des Lernumfelds, neue Bekannte, Freunde, all das und mehr, was den Studienbeginn für Generationen von Studenten so reizvoll gemacht hat, versandet für diese Erstsemester im Homeoffice. Für eine Generation zumal, die, verallgemeinernd, starke Rückschläge bis dahin noch nicht kennen gelernt hat, auch wenn nicht helikopterelternumhegt.

Und beim Blick über unseren vergleichsweise komfortablen deutschen Tellerrand sehen wir, wie überall dort, wo Elend herrscht, dies noch einmal potenziert wird - derzeit ganz besonders in Lateinamerika, aber auch in Fernost (Klaus D. spricht die Philippinen an) und dort, wo schlechte westliche, zumal amerikanische Politik und Ignoranz  Länder zu failed states gemacht hat (Irak, Syrien, Libyen...Palästina, weiter zerstückelt).

Lit als Chronist hat nicht alle Beiträge erfassen können, aber in etwa waren das wohl die ca. 15 Statements.

 

Daniels Zoom-Zeitfenster von etwa einer Stunde nähert sich dem Schließen. Unser Baas, von Andrea ans Abendessen gemahnt (richtig, wir sind ja alle zuhause) beendet das Meeting mit den besten Wünschen für die Festtage und für 2021

  

                          

                              "Der Geist des Tisches lebt!"

 

Ein kleines subjektives Resümee sei schon mal versucht:

Das Ereignis war schon für sich ein Volltreffer: In dieser digitalen Form zusammenzutreffen, war ein Erlebnis nicht nur für die unter uns, die bislang Homeoffice nur vom Hörensagen kannten. Die freundlichen Gesichter aus "Füchschen", Henkelsaal, Absacker usw. erstmals seit Februar so nah wiederzusehen, war ein Besonderes Ereignis sui generis. Wir haben aber auch gelernt, dass die beste Technik nicht die persönliche Begegnung ersetzen kann. Schließlich kommt man nicht als Tisch zwanglos zusammen, um wie im Berufsmeeting eine Agenda strikt abzuarbeiten, sondern um mit diesem und jenem zu klönen, nebeneinander und quer über den Tisch. Das ist hier nicht möglich. Auch das Format, jedem eine kurze Redezeit von z.B. 3 Minuten einzuräumen, läßt sich nicht durchhalten, weil die von zoom.us vorgegebene Zeit von 45 - 60 Minuten Chatroomtime damit bei 15 Teilnehmern praktisch ausgereizt ist - ganz abgesehen davon, dass man für ein solches Format ein zentrales Thema je Meeting bräuchte, was dem Plauschcharakter völlig entgegensteht.

Mal sehen, wie es beim nächsten Versuch läuft, der für etwa Mitte Januar 2021 geplant wurde.

 

Und herzlichsten Dank an Daniel, der dies so gut organisiert hat!

 

Martin empfiehlt nebenbei als Lektüre zum Thema Nr. 1 dieser Zeiten:  Laura Spinney "Die Welt im Fieber!", eine Analyse der sog. Spanischen Grippe aus heutiger Sicht und mit naheliegendem Bezug zu heute.

 

Und wo wir damit schon bei 'ex libris' sind, hat Lit auch noch 2 Anregungen:

Zum anderen Thema Nr.1 dieser Zeit, Trump, Ezra Klein "Why We're Polarized", Profile Books Ltd. London 2020, worin dieser in den USA bekannte Journalist zu analysieren versucht, "how that [US]system is polarizing us—and how we are polarizing it—with disastrous results". Das geht weit über Trump-Analyse hinaus und weit zurück, denn Trump war schließlich nicht die Ursache, sondern das bös schillernde Symptom einer seit längerem schleichenden Entwicklung. (Kürzlich auch in deutsch als "Der Tiefe Graben" erschienen.)

Dazu für Liebhaber des klassischen Besonderen (Rainer, opjepass!): "Und Zum Glück Fehlt Mir Nichts - Nur Du.  Die Briefe des Horaz" Die Epistulae des Quintus Horatius Flaccus nicht im lateinischen Hexameter, sondern in einer sprachlich ansprechenden Prosa-Übertragung ins Deutsche von Chr. Schmitz-Scholemann, Elsinorverlag 2020.

 

Lit wünscht Euch allen eine beschauliche Weihnachtszeit - vielleicht die erste seit früher Kindheit, die das Epitheton ornans "beschaulich" wieder verdient.

Und natürlich für 2021 alles Gute, kommt choronafrei und auch sonst gesund durch's neue Jahr!

 

*) Im Nachgang weist Florian - sein Ökonomen-Nein zum Risiko einer coronabedingten Inflation in seinem Statement stützend - den auf Sicht Inflation befürchtenden Lit auf einen Artikel in The Economist, Dec. 12th 2020 edition hin, mit dem Titel  "After the pandemic, will inflation return? Low inflation underpins today’s economic policy. It is not guaranteed to last": "Almost all economists will tell you that inflation is dead. The premise of low inflation is baked into economic policies and financial markets...Yet, an increasingly vocal band of dissenters thinks that the world could emerge from the pandemic into an era of higher inflation. ... So, rather than ignore the risk, governments should take action now to ensure themselves against it, as even a small probability of having to deal with a surge in inflation is worrying, because the stock of debt is so large and central-bank balance-sheets are swollen."  

 

Als hätten führenden Volkswirte uns zugehört: Es scheint, als bekomme der Block der, s.o., "almost all economists" Sprünge: In der FAZ v. 17.12.2020, S. 27, wird unter der Überschrift "Steigende Inflationssorgen" u.a. der frühere Präsident der Schweizer Nationalbank, jetzt Vizechef von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, zitiert: "auf Sicht steigende Preise und damit steigende Inflation, wenn auch keine galoppierende". Und in der FAZ v. 21.12.2020, S. 17, warnt ein weiterer führender Volkswirt, der University-of-Chicago-Ökonom R. Rajan, früherer indischer Notenbankchef und bis 2006 Chefökonom des Internationalen Währungsfonds unter der Überschrift  "Das hohe Schuldenniveau ist gefährlich" in einem ausführlichen Interview "vor Kreditillusionen, Schulden und Inflation: ... keine Hyperinflation, aber der Trend geht sicher in Richtung höherer Inflation". Es bedarf keiner galoppierenden Inflation, Hyperinflation, denn schon ein kleiner inflationspolitischer Zinsschub kann reichen, um so manche staatlichen wie auch privaten Verschuldungskartenhäuser ins Wanken zu bringen.

Gegenmeinungen zu diesem so spannenden wie wichtigen Wirtschaftsthema werden gern ergänzt - halt Tisch Wirtschaft, nicht Wirtschaftstisch.

 

Keine Gegenmeinung, aber eine aus Lit-Sicht hörenswerte Vertiefung dieses Themas: Der Weihnachtsvortrag (>1 Stunde) von Prof. H.-W. Sinn, Präsident des ifo-Institus a.D., dort am 14.12.2020 "Corona und die wundersame Geldvermehrung in Europa" (https://www.youtube.com/watch?v=L-dCADYr2AM&feature=youtu.be). Kernaussage zur Inflationsgefahr: Wenn sich die südeuropäische Mentalität der indirekten Staatsverschuldung über die EZB und die angeschlossenen nationalen Notenbanken (statt Beschränkung auf den Kernauftrag Geldpolitik) weiter durchsetzt und die Notenbanken nicht eines Tages die riesigen gehorteten Mengen an Staatspapieren am Markt verkaufen und anschließend die daraus erzielten Erlöse durch Entnahme aus dem Geldumlauf vernichten, wird die Inflationsgefahr innerhalb der nächsten 10 Jahre schlagend. Und wenn hinzukommt, dass die extrem niedrigen Zinsen Unternehmer/Unternehmen im Markt halten ("Zombies"), die nach Schumpeterscher Theorie untergehen müssten, um neuen Unternehme(r)n Platz zu machen, und Staaten wie Griechenland, Italien durch massives Stützen wirtschaftlich 'am Leben lassen', die eigentlich bankrott sind (quasi  Staatszombies), dann könnte sogar Stagflation drohen, also Inflation bei stagierender oder rückläufiger Wirtschaft.                        

Florian weist im weiteren Austausch zu diesem zwar wirtschaftstheoretischen, aber für alle Schuldner, ob privat oder öffentliche Hand, real bedeutsamen Thema auf einen Artikel in der Financial Times hin: https://on.ft.com/38UjWPp

Prof. Jeremy Siegel, Finanzwissenschaftler an der Wharton School, PA., warnt "Higher inflation is coming and it will hit bondholders - Historic increase in monetary supply to fight Covid crisis will lead to higher consumer prices". Keine Hyperinflation, auch keine hohe 1-stellige Inflation, aber doch deutlich über der 2 %- Linie der Zentralbanken, und das für Jahre.


 

 

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