Besondere Tisch–Ereignisse

US-Präsident Trump – Teil 1 Präsidentschaft 2016 – 2021
01.11.2020

US-Präsident Trump – Teil 1 Präsidentschaft 2016 – 2021

Bei vielen Tischtreffen ein Thema:

         US-Präsident Trump – Teil 1 Präsidentschaft 2016 – 2021

 

Obwohl kein Besonderes Ereignis unseres Tisches, wenn auch regelmäßig daran diskutiert, hatten wir hier in 8 Beiträgen die Präsidentschaft Donald Trumps verfolgt. Nach seiner Abwahl fassen wir diese Beiträge zu zwei zusammen, Teil 1 „Präsidentschaft“, Teil 2 "Nach der Abwahl". Wer die bisherigen Beiträge gelesen hat, schaut sie sich nicht wieder an; wer sie bislang nicht gelesen hat, wird dies auch fürderhin nicht tun.

 

Ein Blick ins Wörterbuch:

Pocket Oxford Dictionary von 1952:
trump up: fabricate, forge (story, excuse, &c)

trumpery: worthless finery, unsound reasoning, things of no real value

trumpery adj.: tawdry (pretentious but common, of the nature of cheap finery)& worthless, fallacious

Langenscheidt Gr. Schulwörterbuch 1977:

trump up: erdichten, zusammenschwindeln, sich aus den Fingern saugen

trumped-up: erfunden, erlogen, falsch (trumped-up charges)

trumpery: 1. Plunder, Ramsch, Schund 2. Gewäsch, Quatsch 3. Schund, Kitsch

trumpery Adj.: kitschig, geschmacklos, billig, nichtssagend: (a trumpery argument)

Der Große Eichborn Lexikon Wirtschaft Recht 1982:

trumped-up: erdichtet, erlogen
trumped-up charge: vorsätzlich falsche Anschuldigung

trumpery: 1. Plunder, Schund, Ramsch(ware) 2. Gewäsch, Geschwätz, Quatsch

 

Fassen wir die erste Phase der Amtszeit hier kurz zusammen: Die internationalen Partner in verschiedenen Organisationen, auch in der NATO („obsolete“) oder beim G7-Treffen in Kanada, vor den Kopf gestoßen, internationale Abkommen aufgekündigt, fragwürdige Potentaten inkl. Nordkoreas Kim ("Yippie, I no longer craziest leader. Lol“) umgarnt, national in spalterischer Weise die Kreise mit Tiraden bedient, die ihm zum Wahlsieg verholfen hatten, umgeben von ultranationalen Beratern teils fragwürdigsten Rufs, Androhung eines von Mexiko bezahlten Mauerbaus entlang der Grenze zu Mexiko. Beim unerwünschten Besuch in London gibt es nicht die ersehnte Fahrt mit der Queen in der goldenen Kutsche, dafür steigt ein Riesenballon als Trump-Figur über dem House of Parliament in den Himmel.

Immerhin: „I just met with the Prince of Whales...", Trump trifft den Prinzen der Wale, wie er stolz twittert.

 

Schön böser Aphorismus:

                              Every third Trump supporter

                              Is as stupid as the other two!

Passt:

Nach einer Meinungserhebung glauben etwa 60 % der US-Evangelikalen, dass der Messias zu Apokalypse und Vorbereitung des Jüngsten Gerichts 2050 nach Jerusalem zurückkehren werde. Also deshalb für Israel. Deshalb für Trump. Fassungslos macht des (evangelikalen) US-Außenministers(!) Pompeo Ausspruch "It is possible that President Trump right now has been sort of raised for such a time as this, just like [the bible’s] Queen Esther, to help save the Jewish people from an Iranian menace. I am confident that the Lord is at work here." ("Königin Esther", das letzte der Geschichtsbücher des Alten Testaments). der Liebe Gott an der Arbeit, dabei z.B. seine palästinensischen Christen ‚in die Pfanne‘ hauend? Who cares? (Die muslimischen Palästinenser zählen gar nicht erst, von denen steht ja nichts in der Bibel…)

 

Januar/Februar 2020: Das Impeachment-Verfahren endet wegen der republikanischen Mehrheit im Senat erwartungsgemäß mit Freispruch/"acquitted" (06.02.2020). Rubio, der republikanische Senator für Florida bringt es auf den traurigen, undemokratischen Punkt: "Just because actions meet a standard of impeachment does not mean it is in the best interest of the country to remove a President from office.", das uralte "Zweck heiligt Mittel".

Und damit müssen wir uns an den Gedanken gewöhnen: Trump: „I am running in 2020!“ („If I were you, I’d run now!“, stöhnt ein Kommentator.).

 

Doch dann schlägt das Coronavirus zu, entlarvt den Präsidenten als einen allein auf sich bezogenen Mann ohne Empathie, ohne Eignung für die Bewältigung von nationalen Krisen, für das Amt. Das Virus, zunächst mit präsidialem Tweet verächtlich gemacht, hat nun die USA 'voll im Griff' und bestimmt die politische Agenda.

So kommentiert Trump die Pandemie im 1. Halbjahr 2020:

„It’s nothing to worry about!” (2 Monate danach waren die USA das erste Land weltweit mit mehr als 100.000 Infizierten, mehr als 1.000 Toten allein in New York.)

22. Jan. “We have it totally under control. It’s one person coming in from China, and we have it under control. It’s going to be just fine.”

2. Feb. “It’s going to disappear. One day, it’s like a miracle, it will disappear.”

10. Feb. “Looks like by April, you know, in theory, when it gets a little warmer, it miraculously goes away.” 

10. März “We’re prepared, and we’re doing a great job with it. And it will go away. Just stay calm. It will go away.”

15. März “This is a very contagious virus. It’s incredible. But it’s something that we have tremendous control over.”

28. März “WE WILL WIN THIS WAR. When we achieve this victory, we will emerge stronger and more united than ever before!”

24. April "So, supposing we hit the body with a tremendous - whether it's ultraviolet or just very powerful light, and then I said supposing you brought the light inside of the body, which you can do either through the skin or in some other way. And then I see the disinfectant where it knocks it out in a minute. One minute. And is there a way we can do something like that, by injection inside or almost a cleaning. I’m not a doctor. But I’m, like, a person that has a good you-know-what” (pointing to his head).                         

11. Mai "The U.S. will overcome the coronavirus crisis with or without an effective vaccine, the disease will go away at some point either way, it’ll go away. Disappear without a vaccine. It will disappear, and, hopefully, we will not see it again.”

Bei knapp 107.000 Corona-Todesfällen (02.06.2020) und landesweiten Protesten „black lives matter“ wegen der Tötung eines afroamerikanischen Bürgers, George Floyd, durch einen Polizisten müsste ein Präsident als Staatsmann zu höchster Form auflaufen. Nicht so Mr. Trump in seiner selbstverliebten Einstellung: 

                                                  ME FIRST ! 

 

4. Juli 2020: Independence Day at Mount Rushmore: Trump ist sich sicher, dort als 5. Präsident in den Fels gemeißelt zu werden. "Embarrassing! Shocking!" reagieren die 4 Präsidenten augenverdrehend in einer Karikatur.

 

Ausführlicher nun zu Trumps finanziellen Situation, weil viele Beobachter in den USA darin und in seiner Angst vor den staatsanwaltlichen Ermittlungen einen ganz wesentlichen Grund sehen, warum er sich unbedingt an dem ihn schützenden Amt festklaut.

 

Hypothekenverbindlichkeiten:                                                                                                                     

Die New York Times, im Besitz von Trumps Steuererklärungen der letzten gut 20 Jahre, kommentiert "The tax returns that Mr. Trump has long fought to keep private tell a story fundamentally different from the one he has sold to the American public. His reports to the I.R.S. portray a businessman who takes in hundreds of millions of dollars a year yet racks up chronic losses that he aggressively employs to avoid paying taxes. The reports are revealing struggling properties, vast write-offs, an audit battle and hundreds of millions in debt coming due soon that he has personally guaranteed".

"hundreds of millions in debt coming due soon that he has personally guaranteed": Lt. FORBES sind dies 14 von Trump selbst benannte Hypothekendarlehen in Höhe von 691 Mio. $ (Hauptgeber Deutsche Bank mit 345 und Ladder Capital Finance mit 257 mio. $). Ferner ist Trump mit je 30 % an 2 nicht von ihm aufgeführten Bürohäusern in New York (1290 Ave. of the Americas, Trump-Darl.-Anteil 285 mio.$ wohl von  Deutsche Bank) und San Francisco (555 California St., Trump-Darl.-Anteil 162 mio. $ von unbekannt) beteiligt ("his most valuable assets").  Insgesamt also aktuell über 1,1 Mrd. $. an Hypothekenverbindlichkeiten, von denen 547 mio. (48%) bis 2022 fällig werden, weitere 358 mio. (31 %) bis 2024 – kein Wunder, dass Trump sich unbedingt in die nächste Präsidentschaft retten wollte.

"Trump’s Deutsche Bank Loans Appear To Be In Trouble. The president owes an estimated $340 million [Anm. ohne 1290 Ave. of the Americas] to Deutsche Bank, mortgaged against troubled properties*). No wonder the German bank is reportedly eager to sever ties with the president." Hatte sie doch schon vorher die schlechte Erfahrung („given the litigious nature of this borrower.“ N.Y Times) mit diesem Kreditkunden gemacht, dass er kurz vor Fälligkeit zahlungsaufschiebend unsubstantiierte Klagen einreicht, durchaus erfolgreich auf Rückzahlungsteilverzichte spekulierend. "Don’t be surprised if this one gets messy." (N.Y.Times)

*) "struggling troubled properties": Trump International Hotel Washington, DC (Old Post Office), verdiente schon vor Corona nicht einmal die Zinsen. Ebenso Trump International Hotel&Tower Chicago mit schon vor der Coronakrise abgestürztem Betriebsgewinn, seit der C-Krise praktisch leer stehend ("hotel’s managing director: “It’s going to be very, very tough to keep the boat afloat”). Trump National Doral Golf Resort Miami "barely making enough of an operating profit to cover the loan interest, let alone additional expenses that came after it. Not a good sign for the property’s 2020 prospects.". Trump Tower N.Y. verdient zwar mehr als die jährlichen Zinsen, „but paying back the 100 mio. $ principal in Sept. 2022 could be more complicated“. Nimmt man die kleinen Engagements, hauptsächlich Golf Resorts, dazu, die ebenfalls keine Beiträge zur Darlehenrückzahlung leisten können, dann sieht es auf der Ertragseite eher düster aus. Die hohen Gagen aus seiner Showmasterzeit ("The Apprendice"), mit denen Trump, wie es heißt, die Lücken schließen konnte, stehen seit längerem nicht mehr zur Verfügung.

Ähnlich CBS News 11.03.3021, wonach Trumps vier Immobilien in New York, alle eingebunden in sog. CMBS- Commercial mortgage-backed Securities mit Veröffentlichungspflichten, nicht nur Gegenstand staatsanwaltlicher Ermittlungen sind, sondern sich mit abstürzenden Gewinnen herumschlagen. Einst Basis seines Vermögens und Ruhms, seien diese Immobilien nun ein wachsendes Problem geworden. Es sei bereits das fünfte Jahr in Folge, in dem die Performance-Erwartungen der Darlehensgeber nicht erfüllt wurden. 3 der 4 Immobilien wurden bereits auf "watchlists" der Banken gesetzt, alle 4 generieren nicht genug Cash, um daraus die Kredittilgungen zu leisten. "The Trump buildings have missed their targets during a time when real estate did very well, so one would expect most properties to outperform their past underwritten income," so John Griffin, Professor für Finanzen, University of Texas, "The fact that actual income fell short of underwritten income — not on one loan but several, and by a large percentage and dollar amount — does raise concerns about how the financial health of the buildings was presented at the time of the deals, and how they have performed since."

Trump beziffert sein Vermögen auf ca. 3,4 Mrd. $. Abzüglich der 1,1 Mrd. $ Darlehensverbindlichkeiten verbliebe ein immer noch ansehnliches net worth von gut 2 Mrd. $ - also weit von "pleite"*), wie es in deutschen Zeitungen zeitweilig zu lesen war. Wenn da nicht die schlechte wirtschaftliche Performance der einzelnen Vermögenswerte wäre, die, s.o., "vast write-offs" erfordern. Dass Trump in den letzten Jahren immerhin zweimal Einkommensteuern gezahlt hat, ist die gute Nachricht, die schlechte, dass es dank Verlustvorträgen und Abschreibungen auf  Vermögenswerte nur je  7 5 0  Dollar waren, prekär unterschichtig. Immerhin, tröstet CBS am 11.03., wurden bislang noch keine Ausfälle von Zinszahlungen oder gar die Gefahr von Zwangsvollstreckungen oder Zwangsverkauf bekannt.
*) Der Gewinn der Trump-Organisation insgesamt ist lt. CBS auf Basis von öffentlich zugänglichen Zahlen zwar um 40 % eingebrochen, sie schreibt aber schwarze Zahlen. Wieweit daraus die aggregierten Darlehensverbindlichkeiten bei Fälligkeit getilgt werden können, wird die entscheidende Frage sein.

 

Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen. Diverse Prozeßrisiken:

CNN: "If things don't go Donald Trump's way on Election Day, the President may face more serious matters than how to pack up the West Wing. Without some of the protections afforded him by the presidency, Trump will become vulnerable to multiple investigations looking into possible fraud in his financial business dealings as a private citizen -- both as an individual and through his companies. He faces defamation lawsuits sparked by his denials of accusations made by women who have alleged he assaulted them, including E. Jean Carroll, the former ELLE magazine columnist who has accused him of rape." Richtig pikant könnte es werden, wenn Ghislaine Maxwell, unrühmlich als Mittäterin bekannt aus dem Epstein-Mädchen-Skandal, tatsächlich Trump betreffende Details liefern sollte, wie sie kürzlich aus dem Gefängnis ankündigte. Trumps selbst verliehenes Recht auf pussy grasping, von ihm öffentlich gemacht, könnte zur Stolperfalle werden. 

"The most serious legal threat facing Trump is the Manhattan district attorney's broad criminal investigation into the financial workings of the Trump Organization" (CNN), von Betrug bis Steuervergehen.

 

Corona- Missmanagement - siehe obige Zitate und im übrigen nicht weiter kommentiert, da bekannt.

 

Insgesamt also war "Donald Trumps Präsidentschaft eine Horrorshow, die mit einer außer Kontrolle geratenen Pandemie, einer wirtschaftlichen Rezession und einer zunehmenden politischen Polarisierung zuende geht. Trump ist der politische Führer, der am wenigsten in der Lage ist, damit fertig zu werden. Die Demokratie in den Vereinigten Staaten ist durch Trumps erste Amtszeit beschädigt worden. Trump ist ein Symptom für den Niedergang Amerikas.", urteilt 'The Guardian' (London) am 28.10.2020.

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