Besondere Tisch–Ereignisse

Last order, Gentlemen! Das war's dann wohl mit "zoom"
01.06.2021

Last order, Gentlemen! Das war's dann wohl mit "zoom"

Letzte (?) Aufforderung zum digitalen 1. Monatsdienstag

Der Feind des Neuen ist das Alte, Gewohnte...

oder

"Die Sonne bringt es an den Tag":

Kaum haben wir den ersten schönen, warmen Sommertag und dazu aktuell die Aufhebung so mancher Corona-Einschränkungen im öffentlichen Raum, da zieht's die Wirtschafts-Jonges individuell an die passenden Lustbarkeitsorte - und nicht an den Rechner oder das Smartphone, um sich zoomig zu treffen. Tja, wenn es ein reales, ein physisches Treffen gewesen wäre, unter Kastanien im Biergarten, altgewohnt und analog eingeübt...

Worum geht's?:

"Tischgemeinschaft Wirtschaft

im Heimatverein Düsseldorfer Jonges e.V.

Erinnerung

Liebe Tischfreunde, das lässt doch hoffen! Nach über einem Jahr endlich mal wieder eine Erinnerung zu schreiben. Wir planen und hoffen sehr, dass wir uns schon bald auch physisch wieder treffen können. Mit Coronadisziplin sollten wir das schaffen.

Frank hatte bereits im Namen Eures Tischvorstandes mit Email vom 17.5. zu unserem nächsten Zoom Meeting eingeladen. Also am Dienstag 1.Juni 2021 um 18:00 Uhr gibt es ein weiteres Zoom Meeting.

Zugangsdaten: ...

Uwe schlägt als ein mögliches Thema den “Opernneubau“ vor.

Ich freue mich sehr auf eine rege Teilname

und bleibt bitte weiter gesund!

Euer Tischbaas Gerd!"

 

"rege Teilnahme", Gerd, war gut gehofft, doch zu früh gefreut: Um 18:00 Uhr sind Vize Frank und Uwe zu zweit, ein Weilchen später schaltet sich Johannes aus Neckarsulm zu, und nach einer Dreiviertelstunde sind wir vollzählig, na ja, also zu 7., i.W. siebt (Michael B., der noch per an-alle-Mail "Dear all, wo seid Ihr?" funkt, Niels, Ludger und zuletzt Dieter D., der sich gemütlich vor seinem Miet-Wohnmobil auf einem Golfclub-Parkplatz irgendwo in NRW präsentiert).

Wo ist Tischbaas Gerd, wo sind all die ander'n hin, wo sind sie geblieben? wird gerätselt. Es ist wohl die warme Sonne, die an den Tag bringt, dass der erste richtige Sommertag in diesem Jahr 'in Tateinheit' mit der gerade verkündeten Erleichterung von verschiedenen Kontaktregeln, weil Dü.-Coronainzidenz erheblich < 100 und weiter fallend, die Jonges zu anderem motiviert als zu zoomen.

Immerhin für die Runde Anlaß, kurz zur Coronalage zu schwätzen (so schnell, wie Klaus D. vor 4 Wochen mit "Juni ist's vorbei" meinte, geht es wohl nicht - warten wir mal das Ende der Sommerurlaubsphase mit den Varianten Delta bis Omega ab).

 

Um dann auf den "Opernneubau" zu schwenken. Ohne den Argumentationsaustausch hier zu vertiefen (Refrain: Ja aber! und nur wenn...), als Fazit diese klare Vorgabe an unseren Ehrentischbaas und seine Jonges-Vorstandsmannen für die Gespräche mit den Verantwortlichen: 

1. Vor Beschlüssen zu Lage und Bauausführung vollständige, ganz konkrete inhaltliche Klärung, was in dem Gebäude geschehen soll.

2. Ungeschönte, vollständige Darlegung der (Voll!)Kosten und der Finanzierungsvorstellungen - unter Berücksichtigung der Etatbelastungen, die Corona am Ende beschert haben wird. Und nicht die kommunalpolitisch gern geübte Methode bei Großprojekten der öffentlichen Hand, sich erst einmal einen niedrigen Ansatz genehmigen zu lassen - mit dem Hintergedanken: Ist der erst einmal genehmigt und der Bau vergeben, gibt's kein Zurück mehr (was ja zumeist die Erklärung dafür ist, dass Großprojekte in staatlicher, kommunaler Regie den ersten, den genehmigten Gesamtkostenansatz um das 2-, 3- und auch Mehrfache übersteigen). Dies verbunden mit dem von Dieter betonten, konsentierten Petitum, in der Finanzcommunity auszuloten, ob sich eine private-public-partnership finde, in der mit eiserner Budget- und Zeitkontrolle dafür gesorgt würde, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen.

Plus Lits "entschiedene Anregung" an den Vorstand, eine anonyme Befragung aller 3.3xx Mitglieder des Vereins zu "Pro&Contra" voranzustellen.

 

Lit

 

PS Den 'Beschluß' zu 1. und 2. habe ich am 12.06. in das Portal der Bürgerbeteiligung www.dialog-opernhaus-duesseldorf.de in knapper Weise (max. 1.500 Zeichen zugelassen) unter der Überschrift Überschrift "Form Follows Function, also erstmal Ziel, Zweck und Inhalte klären, dann die Gebäudehülle!" eingestellt:

"Halt!

Statt noch mehr Erörterung der Bauhülle zurück zum Jahrtausende alten Großbauten-Axiom, kurz „Form Follows Function“: Detaillierte Beschreibung (nicht nur gut klingende Worthülsen) der angestrebten „function“, also Ziel, Zweck, Inhalte!

Dann grundehrlich, transparent ohne kommunalpolitische Budgettricks die Vollkosten von Bau und Betrieb offenlegen, unter Berücksichtigung der Corona!-Etatbelastungen, unter Einbezug moderner Modelle (private-public-partnership)– auch auf die Gefahr, dass „der Kämmerer gezwungen sein könnte, zum großen Spielverderber bei hochkulturellen Ambitionen Gutbetuchter zu werden“ (FAZ). Und dann erst Entscheidung zur passenden Hülle („form“).

Entscheiden, ob „Alte-Tante-Oper“ (wohl Stadtvorstellung) ohne aufwendige Gestaltung für Generation 65+, aber flexibel für Umnutzung für künftige Generationen. Oder RP-Onkelbachs "Rheinphilharmonie: Vergesst die Oper – sie ist von vorgestern“: Als „Leuchtturm“ mit „Bilbao-Effekt“? Dann aber richtig, wie dort und Hamburg, Oslo, Kopenhagen, Valencia mit einem städtebaulichen Gesamtkonzept: Öde Hafengegend zum urbanen neuen Stadtviertel mit ambitionierter Architektur um den Leuchtturm Neue Oper herum! Viel teurer? Na klar, aber ein echtes Jahrhundertprojekt mit der Chance (=Bilbao) der Amortisation ‚on the long run‘; Mitinvestoren werden sich einfinden!

Keine Zeit, weil alte Oper marode? Doch, zwischenzeitliche Umstellung auf konzertante Oper ohne den maroden technischen Betrieb.

Langversion>1500 Zeichen geht an OB".

Erfolgt. Ähnlich auch als Leserbrief an das "TOR". *)

 

Nachklapp:

Hätte ich doch die Wochenend-Rheinische Post (12.06., „Stapel-Oper“) früher gelesen! Ich hätte mich wohl gar nicht mehr zum Thema Neubau Oper geäußert. Denn: Die ‚Messe scheint stadtintern gelesen‘, wie von Sebastian bereits geargwöhnt: Da gibt es, liest man, längst „Arbeitskreise für verschiedene Standorte“, sollen sich „Architekten austoben“,  beides, klar, ohne Kenntnis der inhaltlichen Zukunftsanforderungen, -entwicklungen. Man sucht erst gar nicht mehr nach dem großen Wurf als Magneten für internationalen Tourismus, nach den großen inhaltlichen Ideen, neuen Multi-Use-Konzepten für die nächsten 50, 100 Jahre (das sind „Ideen vom integrierten Kino und digitalen Formaten bis zum gläsernen Probesaal“ doch bestimmt nicht). Im Vordergrund vielmehr „Probleme und Wünsche der Mitarbeiter“, der Bau plattitüdenmäßig „nachhaltig, grün, mit modernem Energiekonzept“ – kurz: Oper von heute, nur größer, mit mehr Platz, damit sich die Mitarbeiter nicht mehr mit dem abendlichen Transport so vieler „Kleiderständer“ abplagen müssen. Und man sich nicht mehr mit einer "Dampfheizung von 1875 rumärgern" muss.

So Groß-Schilda-kleinkariert ist die Diskussion um das Kellersche „Leuchtturmprojekt auf Weltniveau“ inzwischen geworden… Da wundert es nicht, dass der „Bürgerrat der 30“ nun doch so richtig transparent lieber hinter verschlossenen Türen tagt.

Sebastians „contra“- Argument des Zweifels an der Vermittelbarkeit von 750 Mio. Euro gegenüber der breiten Bevölkerung wiegt da schwer.

Was sich auch hieraus erhellen mag: In der Rhein. Post v. 3. Juli 2021, S. C1, werden unter „Wer geht eigentlich in die Oper“ endlich einmal Zahlen zur Altersstruktur des hiesigen Opernpublikums aufgeführt, die allerdings nicht wirklich überraschen: 69 % der Besucher sind älter als 60 Jahre, deutlich höher, als ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. Nur 11 % sind unter 30, bei einem Bevölkerungsanteil von 31 %. Und 54 % der Besucher haben ein abgeschlossenes Hochschulstudium – gegenüber 20 % der Gesamtbevölkerung. Insgesamt also ein Steilpass für Sebastians „Contra“! Und einmal mehr ein Beispiel, dass Aussagen wie die des OB „Oper für alle“ Phrase sind, solange nicht ansatzweise erarbeitet und vorgestellt wird, wie man das inhaltlich erreichen will - sicher nicht durch einen noch so großes Aufsehen erregenden Baukörper.

 

 

PS Nachricht der FAZ v. 29.06., die zum Thema im Feuilleton, Seite 9 "Abbruch ins Ungewisse" sowie Seite 12/13 "Lauter Sanierungsfälle", aufzeigt, dass Düsseldorf das 'Schicksal' sanierungsbedürftiger Bühnengebäude und den Streit über Kosten und Konzepte mit 12 anderen Städten teilt. Was allerdings kein Trost ist, sondern aufzeigt, wie wir in Deutschland mit Kultur umgegangen sind und umgehen!

 

S. 9 grundsätzlich „Abbruch ins Ungewisse … werden etliche Bühnengebäude für sehr viel Geld saniert oder neu gebaut. Zugleich gibt es ambitionierte, aber vage Ideen, wie das Theater/die Oper der Zukunft aussehen könnte… Gleichwohl darf es nicht nur um die Ertüchtigung oder Rekonstruktion altbekannter Strukturen auf neuesten technischen Stand gehen. Die Standortfrage sowie ein multifunktionales Nutzungskonzept sind entscheidende Faktoren.“ Klingt vertraut, inkl. des Hinweises auf die Oper Oslo und deren städtebaulichen Kontext. Und ganz im Sinne von Sebastian Juli: „Die Zeit der architektonisch schillernden Kulturfestungen, die sich für die meisten Stadtbewohner als uneinnehmbar erweisen und nur abends die Zugbrücken herunterlassen, sollte jedenfalls vorbei sein.“

 S.12 und 13 zählen „Lauter Sanierungsfälle von Augsburg bis Osnabrück“ auf: 13 Häuser, darunter Oper  Düsseldorf, die für 3-stellige Millionenbeträge zwischen 100  Mio. und 1 Mrd. Euro saniert oder neu gebaut werden müssen, und über die „Intendanten, Politiker und Bürger“ wegen „Kosten und Konzepten streiten“. Insgesamt nach jetzigem Planungsstand zwischen 5,6 und 6,0 Milliarden Euro, die man getrost nach oben rechnen darf - nach aller Erfahrung mit kommunalen Großbauten mit Faktor 2 oder 3 oder auch mehr.

 

Unfaßbar? Ja, und im Kern eine bittere Satire auf die inzwischen jahrzehntelange, politisch-ideologisch gewollte Vernachlässigung der kulturellen Infrastruktur in unseren Städten! Wer jahrzehntelang nicht in die Ertüchtigung investiert, muss nun ein Mehrfaches aufwenden – oder diesen Teil bürgerlicher Kultur abschreiben.

 Der Verstoß gegen regelmäßige Ertüchtigungspflichten gilt natürlich nicht nur für die „Kulturfestungen“, sondern für nahezu die gesamte kommunale, regionale, landes- und bundesweite Infrastruktur (Straßen&Verkehr, Schulen&Unis, Verwaltungen, IT undundund) – und macht sie in Summe nicht bezahlbar, weil viele Soziallasten (volkswirtschaftlich Konsum) nicht zurückschraubbar sind, die die mit anderer Leute Geld so fleißigen Verteilungspolitiker aller Couleurs zulasten der Infrastruktur (volkswirtschaftlich Investition) in den Budgets festgeschrieben haben, in jeder Legislaturperiode immer neue, immer mehr.

Auch wenn Volkswirtschaft nicht Betriebswirtschaft ist: Wie groß wäre wohl die Überlebenschance eines Unternehmens, in dem über Jahre willentlich die betriebliche Infrastruktur unverändert auf dem Ursprungsstand belassen würde, zugunsten immer höherer Löhne und Sozialleistungen für die Mitarbeiter, je unproduktiver, desto höher gefördert?

Eben.

Aber Politiker wissen: Steuern sprudeln ja von allein und immer mehr - so einen Dukatenesel wie uns Bürger hat kein Unternehmer...

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